Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 9.1874

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n. Jahrgang.

Nr. 3.

Üciträgc
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(Wicu, Th-resim,u>»g.
2ä)od. »ndi-Vcrlausli.
(Lcipzig, KLnigsstr. S)
zu richts».

31. Ortobcr

Znscrate

ü. 21/2'Sgr. für die drei
Mal gespaltene Petitzeile
werden von jeder Buch-
und Kunsthandlung an-
genommen.

1873.

Beiblatt znr Zeitschrist sür vildende Kunst.

Dl-s Blutt, j-d- Woch- am Frcitag -rsch-m-nd, -rh»l>-n di- Abonn-nt-n r-r „Zcitschrist sür bildende Kunst" xrntl»; sür stch allcin bezogen
k°st-t der Jahrgang S Lhlr. sowohl im Buchhandel wie auch bei d-n d-utschen und österreichischen Postanstalten.

^nhalt; Einc Sammlnng von Handzeichnung-n im B-uth-Schinkrl-Museu,» ,n D-rlin. — Korresxondenz; Dresden. — Wimmcr, Mitt-lalterlich- Holz-
schnih-rci. — Fritz Bambcrger f. — Ausst-llung des Berliner Künstlerv-r-ins. — Di- Sahn-Wittgenst-in'sch- Basensammlung. — Lhacr-Dcnklnale.
— Restanration d-s Aachener Doms. — B-richt- vom Knnstmarkt; Rottcrdamer Kunstanktion; B-rlincr Kuxserstichanktioncn. — N-nig-
k-it-n des Bnchhandcls. — Z-itschristc». — Jnscratc.

Cine Llmimlung non Handzeichnungen im
Leuth-Schinkel-Museum M öerlin.

Aus dem Nachlassc des 1853 verstorbencu Geheimen
Nathes Bcuth wurde vom Staate eine bedeutende An-
zahl Kunstgegenstäude aller Art erworbcn und nüt den
Sauuulungen des Schinkel'schm Museums in der Bau-
Akadcmie vereinigt. Von großer Bedeutung ist nament-
lich eine Sammlung von Kupferstichcn und Holzschnitten,
die mchr als 4000 Blätter umfaßt, unter ihnen allein
ungcfähr 1200 den alten vcutschen Schulen angehörig.
Die Anzahl und die meist vortrcffliche Erhaltung der
cinzelnen Blätter läßt uns mit Neid auf eine Zeit
blicken, in dcr cs dcn Mitteln eines Privatmannes mög-
lich war, Schätze zu sammcln, nach denen gegenwärtig
nianches öffentliche Kunstinstitut vcrgebens trachtet. Auch
einc kleine Sammlung meist alter Handzcichnungcn ist
werth, daß man auf sie die Aufmerksamkeit der Kunst-
forscher und Kunstfreunde lenke.

Jn größcren Krcisen sind gelcgcntlich dcr Holbein-
Ausstclluug in Dresden bercits zwei Zeichnungen bekann
gewordcn: 1. Händc, Arme und ein Theil der Brust
vom Portrait des Gysin im Berliner Museiim. Studi,
anf schwarzem Grundc mit graucr uud weißer Tusche.
Die Umrisse mit der Feder gczeichnet. 314 Mm. h.
403 br. Vgl. Zahn's Jahrbücher V, S. 207, wo
das Blatt für ein Studium nach dem Bilde — trotz
seiner Vortrefflichkcit — erklärt wird. Auch No. 2
eine Dolchscheide mit dem Todtentanz ist dem Meister
abgesprochen wordcn. Von dcn übrigen Blättern —
sechszig und einigen an der Zahl — hebe ich folgcnde
heraus:

3. Maria mit Krone und Sccpter mit dem Kinde
auf einem Halbmonde stchend unter einem gothischen
Portale. Graue Tuschzeichnung mit Anwendung von
gelb und roth. Wohl cine Kopie nach Holbein, auf
den wenigstens die Gesichtstypen deuten. Der Falten-
wurf ist eckig gebrochen. Die Umrisse sind mit der
Nadel durchstochen. 380 X 122.

Von italienischen Zeichnungen sind bemerkenswerth:

4. Baccio Bandinclli, drei Köpfc ältlicher
Männer. Sorgfältige Fcderz. 174 x 200.

5. Bernini, vier Niobetöchter fliehend bei zwei
niedergestreckten Brüdern. Kreidez. 802 x 270.

6. Paolo Veronese, ein Soldat, ein Fahncn-
trrger und drei Nuderer in eincr Barke, wie es schcint,
iiu Begriff zu landen. Federz. weiß gehöht auf grün-
liihem Papier. 190 X 250.

7. Luca Cambiasi, Kampf nackter Männer.
Vielleicht Entwurf zu einer Dcgenscheide. Federz. mit
we.ßen Lichtern auf dunkelgrauem Papier. 48 x 431.

8. Benv. Cellini, Salzfaß mit Schaufel, ge-
schmückt mit vier sitzcnden Satyrn, in einer Landschaft
mii figürlicher Staffage stehcnd. Fz. 183 X 274.

9. Iacopo Sansovino, eine unterwärts be-
klcidete Frau mit erhobenen Händen einen Rahmcn hal-
tenv, der nur skizzirt ist; wohl ein architektonisches Glied
Sorgfältige Fz. 282 X 188.

10. Ciro Ferri, Bekehrung Pauli. Figurcn-
reiche Komposition, Fz. mit rothcr Tusche. 292 x 248.

11. Battista Franco, das Opfer Kain's und
Abel's und die Tödtung des Letzteren. Graue Tusch-
zcichnung mit rothen Umrisscn und weißen Lichtcrn; in

, Rafsaelischer Richtung. 168 X 442.
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