Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 19.1908

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DELEGIERTENTAG DER KUNSTGEWERBEVEREINE

IN HANNOVER

Der »Verband Deutscher Kunstgewerbevereine* hielt vom
21. bis 23. März in Hannover seinen 18. Delegiertentag ab.
Der erste Tag war den Beratungen der Unterkommissionen
und der offiziellen Begrüßung durch den Kunstgewerbe-
verein Hannover gewidmet.

Der Wert solcher Zusammenkünfte liegt durchaus nicht
allein in den praktischen Beratungen, sondern vor allem
auch in dem persönlichen Kontakt, der bei den Begrüßungs-
abenden zwischen den einzelnen Mitgliedern und Be-
ratungsteilnehmern hergestellt wird. In dieser Hinsicht
gelang der erste Abend vollkommen; man sah die Gruppen,
gemischt aus Künstlern, Fabrikanten, Gelehrten usw. in
angeregter Unterhaltung bis in die späten Abendstunden
vereint.

Am Sonntag den 22. März begannen vormittags 9 Uhr
im großen Saale des Alten Rathauses die sachlichen Be-
ratungen unter dem Vorsitz des Herrn Geheimen Re-
gierungsrates Dr. Ing. Hermann Muthesius. Die offiziellen
Begrüßungen gipfelten in einer Ansprache des vom Preußi-
schen Handelsministerium gesandten Herrn Geheimen
Oberregierungsrats Dönhoff.

Der Vorsitzende gab bekannt, daß der Verband zur-
zeit aus 51 Vereinen mit 65 Stimmen bestände, und daß
auf der Tagung 57 Stimmen durch Delegierte vertreten
seien. Aus dem Verbände sind im letzten Jahre 686 Mit-
glieder ausgeschieden und 1399 Mitglieder neu eingetreten.
Er umfaßt demnach zurzeit 17282 Mitglieder. Ausge-
schieden sind folgende Vereine:

Der Deutsche Graveurverein in Berlin,

die Photosezession in Dresden und

das Bayerische Gewerbemuseum in Nürnberg.

Letzterer Verein, der die stattliche Größe von 1480
Mitgliedern besitzt, gab für seinen Austritt die charakte-
ristische Begründung, daß bei ihm das Kunstgewerbe mehr
in den Hintergrund getreten sei und daß infolgedessen
eine Beteiligung an den Bestrebungen der Kunstgewerbe-
vereine für ihn keine praktische Bedeutung mehr habe. —
Neu eingetreten sind Vereine in Bunzlau, Darmstadt, Elber-
feld, Mannheim, Plauen, Würzburg-Aschaffenburg, Zwickau.

Als Resultat der vorjährigen Beratungen wurde zu-
nächst hervorgehoben, daß der Beschluß: in den kunst-
gewerblichen Ausstellungen keine Auszeichnungen mehr zu
verteilen, sondern das Passieren der Jury an sich als eine
Auszeichnung zu betrachten, bereits in die Praxis über-
gegangen und den Behörden mitgeteilt worden sei. Be-
sonders in München hat man mit diesem Verfahren sehr
günstige Resultate erzielt.

Zum stellvertretenden Vorsitzenden der Tagung wurde
Herr Professor Dr. Haupt, Hannover, zu Schriftführern die
Herren Dr. Lehnert, Berlin, und Hofrat Bruckmann, Heil-
bronn gewählt.

Den Kassenbericht gab Herr Günther und erhielt Ent-
lastung.

Als Beilragseinheit wurden, entgegen geringem Wider-
spruche, 20 Mark festgesetzt.

Für die nächstjährige Tagung überbrachte Herr Dr.
Hagelstange die Einladung des Kunstgewerbevereins in
Magdeburg. Er begründete die Einladung damit, daß im
letzten Winterhalbjahre heftige Kämpfe innerhalb des
Vereines zum schließlichen Siege der neueren Richtung
geführt hätten. Nun wäre es dem Vorstand sehr erwünscht,
durch eine Tagung des ganzen Verbandes in Magdeburg
dokumentieren zu können, daß Magdeburg in seinen Zielen
mit den übrigen Vereinen des Deutschen Reiches überein-
stimme. Die Versammlung sah sich leider außerstande
die Einladung des Kunstgewerbevereins Magdeburg schon
für das nächste Jahr anzunehmen, weil bereits eine frühere
Einladung des Halleschen Vereines vorlag und nun auch
angenommen wurde. Der 19. Delegiertentag ist also für
den 28. März igog in Halle a. S. festgesetzt.

Man trat nun in die Beratungen der Gebährenordnung
für das Kunstgewerbe (Eisenacher-Ordnung) ein. Die Vor-
arbeiten der hierfür eingesetzten Kommission waren bis
zur allerletzten Stunde fortgesetzt worden; infolgedessen
konnten den Teilnehmern die neuen Vorschläge noch nicht
abschriftlich vorgelegt werden. Die Beratungen nur nach
mündlicher Verlesung der einzelnen Paragraphen waren
natürlich wesentlich schwieriger. Es gelang aber, dank
der vorzüglichen Beschlagenheit der Herren Dr. Muthesius
und Dr. Lehnert, das Schiff durch die Klippen mancher
Mißverständnisse sicher hindurchzusteuern. Die Kommis-
sionsmitglieder betonten, daß die jetzt vorgeschlagene
Fassung durchaus keine definitive sein solle, sondern daß
die neue Ordnung sich nach den Bedürfnissen und Er-
fahrungen der Praxis erst zu gestalten habe. Wir geben
demnächst den Wortlaut der neuen Paragraphen wieder, aus
denen ersichtlich sein wird, daß die Gebührenordnung ganz
wesentlich an Klarheit und Gebrauchsfähigkeit gewonnen
hat. Die Kommission wurde von der Versammlung be-
auftragt, jetzt auf der neuen Basis auch einen neuen Tarif
aufzubauen.

Als ein Muster klarer und präziser Darstellung eines
äußerst komplizierten Themas mußte das Referat des
Herrn Professors Dr. Osterrieth über die an den Verband
ergangene Umfrage betr. das Recht der Arbeitgeber an den
Entwürfen ihrer Angestellten bezeichnet werden.

Das Urheberrecht entsteht in jedem Falle mit der
Schöpfung des Angestellten und heftet sich an dessen
Person. Der Arbeitgeber kann daher nur durch Über-
tragung ein Recht erlangen. Zur Beratung war nun die
Frage gestellt: empfehlen sich an dem Patentgesetze usw.
Änderungen, die den Angestellten Nutzen und Ehre an
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