Lanckoroński, Karl [Editor]
Der Dom von Aquileia: sein Bau und seine Geschichte — Wien, 1906

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der Einfassung eine ringsumlaufende Stufe vorgelegt. Sechs Säulenstümpfe von 2-60 bis 2-80 m
Höhe und von verschiedener Dicke sind rings um das Becken aufgestellt; sie tragen ein in
neuerer Zeit ausgeführtes zeltförmiges Schutzdach. An den Wänden des Raumes erblickt
man, den sechs Säulen entsprechend, sechs Bogenansätze, welche auf vorkragenden Gesims-
stücken von verschiedener Form ruhen.

Außer der Tür, durch welche man den Raum betritt, befindet sich noch eine solche in
der Nordwand; eine dritte Tür in der Südwand ist vermauert. Das Pflaster besteht aus
starken Steinplatten von sehr ungleicher Größe.

Der Eindruck, welchen die Ruine macht, ist unbedeutend; Verfall und Wiederherstellungs-
arbeiten haben wesentliche architektonische Züge des Gebäudes verwischt. Die Form, welche
der Bau als Baptisterium zeigte, ist mit Sicherheit nicht wiederherzustellen, ebensowenig die
ältere Form des vorchristlichen Werkes; denn in der Tat mit einem vorchristlichen Römerbau
haben wir es hier zu tun.

Baptisterium Vorhalle Domkirehe Krypta Rom. Kanal

Fig. 23 Längsschnitt durch das Baptisterium und die Domkirche

Das Gebäude war ursprünglich außen quadratisch und bildete innen ein Achteck mit vier
Nischen, deren eine teilweise erhalten ist. Reste der anderen Nischenwandungen sind an der
Außenseite des Achtecks sichtbar.

Die vorgenommene Ausgrabung zeigte, daß das Fundament aus Bruchsteinmauerwerk
von großer Härte, wie solches sich überall in Aquileja bei Römerbauten findet, errichtet ist

und bis zur Tiefe von 2 bis 2*50 m unter den Fußboden hinab-
reicht. Das Fundament baut sich in mehreren Absätzen auf, deren
Höhe nicht überall gleich ist, und ruhte auf Piloten; die letzteren
sind, soweit unsere auf einige Stellen beschränkte Nachforschung
reichte, verfault, ihr einstiges Vorhandensein ist aber durch die
etwa 0-75m tiefen Löcher, in welchen sie steckten, bewiesen.

Der unterste Absatz des Fundamentes bildet eine quadratische
Mauer von 2*50 m Dicke und 16 m äußerer Seitenlänge; der zweite
Absatz, nur außen quadratisch, springt um 0*22 m zurück und bil-
det im Innern ein Achteck mit vier annähernd halbkreisförmigen
Ausrundungen in den Ecken des Quadrates.

Das Mauerwerk dieses zweiten Fundamentabsatzes reicht
bis nahe unter den Steinfußboden hinauf; es zeigt im Gegensatze
zur unteren Mauer nach außen eine glatte Fläche mit verstrichenen Fugen und ist mit einer
Ziegelschichte abgedeckt. Oberhalb der Ziegelschichte folgt das aufgehende Mauerwerk; etwa
0-80 m dick, bildet diese Mauer nach außen ein Quadrat von 15*40 m Seitenlänge, im Innern
ein regelmäßiges Achteck mit vier halbkreisförmigen Nischen von 4 m Durchmesser. Dieses
aufgehende Mauerwerk besteht ebenso wie das Fundament aus Bruchsteinen mit sehr hartem
Mörtel und unterscheidet sich in der äußeren Fläche nicht von dem zweiten Fundamentabsatze,
ist aber nur stellenweise in geringer Höhe erhalten. Weiter oben folgt Mauerwerk aus einer
späteren Periode, welches zwar auch hauptsächlich aus Bruchsteinen besteht, aber mit weniger
hartem Mörtel gemauert ist und auch Ziegel enthält.

Dieses Mauerwerk deutet auf einen Wiederaufbau des zerstörten antiken Monumentes.
Es wurden hierbei an der Süd= und Nordwand in das antike Mauerwerk des Bapti-

Fig. 24 Durchlochte Platte
im Fußboden der Vorhalle
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