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allen möglichen Fällen des Lebens, für den Juriften,
den Nichtmediciner etc. hindeuten. Aber auch diefe
Hinficht kann zum Studium der Anthropologie nicht
bewegen. Nicht humaniftifche, nicht Utilitätsrück-
fichten, fondern ein anderes, höheres Ziel veranlafst
uns, den Menfchen kennen zu lernen.

Es fcheint jetzt an der Zeit zu fein, dafs auch
die Phyfiologie mit Antheil nehme an den grofsen
Bewegungen unferer Zeit. Selbft die Naturwiffen-
fchaften dürfen fich nicht von der grofsen Aufgabe
der Gegenwart, der Umgeflaltung der focialen Zu-
ftände, zurückziehen. Unter ihnen ift aber zu diefem
grofsen Werke ganz befonders die Phyfiologie be-
rufen. Denn alle Kämpfe, die in unferer Zeit geführt
werden, weifen auf den Menfchen, den Gegenftand
der Phyfiologie zurück, alle Fäden aus der Rechts-,
Staats-, Religionsvviffenfchaft vereinigen fich in dem
einen Punkte, dem Menfchen. Freilich blofs im gei-
ftigcn Menfchen, aber der Zufammenhang zwifchen
dem geiftigen und körperlichen ift ein fo inniger,
dafs eine vollftändige Betrachtung des ganzen Men-
fchen nicht nur einen Theil, fondern beide Theile
gleich gründlich umfaffen mufs.

Bisher verlangte man von der Philofophie, und
verlangt es zum Theil noch jetzt, dafs fie nicht nur
über die letzten Gründe des Beftehenden Rechen-
fchaft gebe, fondern auch, dafs fie das Räthfel der
Verbindung von Geift und Körper löfe. Zu dem
Ende hat fie fich zweier Mittel bedient, einmal
wirkte fie mit dem geiftigen, ewig gleichen Menfchen,
zweitens benutzte fie das concrete Wiffen. So
würde es noch heute fein, wenn nicht in den letzten

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