Gramsch, Robert
Das Reich als Netzwerk der Fürsten: politische Strukturen unter dem Doppelkönigtum Friedrichs II. und Heinrichs (VII.) 1225 - 1235 — Mittelalter-Forschungen, Band 40: Ostfildern, 2013

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Vorwort

Vorworte wissenschaftlicher Monographien, namentlich von Qualifikationsschriften,
beinhalten in der Regel neben einigen Bemerkungen zur Genese des Projekts auch einen
Abschnitt, der im Sinne einer wissenschaftssoziologischen Netzwerkanalyse von einigem
Interesse und Quellenwert ist. Gemeint ist die Vorstellung jenes Unterstützerkreises,
welcher das Zustandekommen des Werkes befördert und dem gegenüber der Autor eine
Dankesschuld abzutragen hat. Die Offenlegung des Ego-Netzwerks wissenschaftlicher
Kooperation bildet zugleich einen ersten Fingerzeig zur Orientierung des Lesers: Der
Autor bekundet, an welcher Stelle innerhalb der „scientific Community" er sich und
sein (Euvre verorten will. In der Dankesrhetorik steckt zugleich eine subtile Botschaft:
Ohne die Unterstützung von Kollegen, Freunden und Institutionen hätte das Werk nicht
gelingen können. Im Umkehrschluss heißt das freilich auch, dass wissenschaftlicher
Fortschritt keineswegs allein von intellektuellen Qualitäten, sondern zum guten Teil
von institutionellen und personellen Konstellationen abhängt, die zu beeinflussen das
Individuum nur begrenzt imstande ist. Im Vorwort beschwört der Autor das Schicksal
und sein Glück.
Ideen gedeihen am besten in einem anregenden Umfeld. Entstehen können sie aber
auch unter Bedingungen, an die kein heutiger Wissenschaftspolitiker auch nur entfernt
zu denken vermag. Dies mag folgende, leicht bizarre Geschichte verdeutlichen. Mit Netz-
werken kam ich zuerst in Berührung während meiner Wehrdienstzeit, als ich ohne alle
theoretischen Vörkenntnisse und völlig auf mich allein gestellt eine Datenbank und eine
Auswertungssoftware zur Verwaltung des Telefonnetzes des nördlichen Militärbezirks
der DDR-Landstreitkräfte zu programmieren hatte. Soviel zum technologischen Niveau,
auf dem sich der gefürchtete „Ostblock" kurz vor seinem Ende befand! Gespräche mit
einem anderen Soldaten über die mathematische Optimierung von Truppenbewegungen
auf dem ostdeutschen Straßennetz stellten meine erste theoretische Reflexion zum Thema
dar.
Von diesem Punkt führte mich ein weiter Weg ins Mittelalter und zu den „Erfurter
Juristen", deren Netzwerkbildungen mich im Laufe meiner Forschungen immer mehr
faszinierten, so dass ich dem Thema grundsätzlicher nachgehen wollte. Betraf dies die
methodische Seite der geplanten Arbeit, so stand bei der Auswahl des Untersuchungs-
gegenstandes Herr Professor Matthias Werner Pate, der in einem Hauptseminar zum
Gegenkönig Heinrich Raspe mein Interesse für die späte Stauferzeit geweckt hat. Alle
Ideen wären aber Luftschlösser geblieben ohne die beständige Förderung durch meinen
hoch geschätzten Lehrer, Herrn Professor Helmut G. Walther: Er holte mich an den
Jenaer Mittelalterlehrstuhl und begleitete die Entstehung dieses Werkes mit kundigem
Rat und unbeirrter Ermunterung.
Wer ein Experiment mit ungewissem Ausgang wagt, wie es die Implementierung
mathematischer Methoden in die Mediävistik nun einmal ist, der muss auch Skepsis
und Kritik aushalten können, die ich durchaus erlebt habe. Umso ermutigender war
es, dass ich auf einer Reihe von Vorträgen auch auf sehr viel Zuspruch und Interesse
stieß. Erwähnt seien nur Kolloquien und Tagungen bei den Herren Professoren Martin
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