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Römisch-germanisches Korrespondenzblatt: Nachrichten für römisch-germanische Altertumsforschung — 3.1910

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Nr. 2 (März u. April)
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Holwerda, J. H.: Borma
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Domaszewski, Alfred von: Zur Geschichte des Rheinheeres
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https://doi.org/10.11588/diglit.24880#0042

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30

bunden, quer durch oder i'iber die breiten und grossen Ströme Hollands, vbn
deren einem Ufer man das andrc kaum sehen kann ? Seine Hypothese scheint
geradezu eine Unmöglichkeit.

Was ist nun aber dieser Seehafen „Borma -1, den K. in Holland suchen
möchte? Die einzige Stelle, wo dieser Name genannt werden sollte, ist die
Florusstelle „JB. et G. pontibus junxUZi... . Es lässt sich verstehen, dass sich ihm
hier die frühzeitig geäusserte Meinung in dem Worte „Borma“ (a. L. Bona)
stecke der Name Bononia, was palaeographisch leicht verständlich wäre, von
neuem aufdrängte. Dann käme die alte Ansicht, wonach Bononia und Geso-
riacum zwei nur durch die das heutige Boulogne durchfliessende Leone ge-
trennte Oertlichkeiten darstellten, wieder zu Ehren. Der Nachweis, dass diese
Hypothese unhaltbar ist, gehört aber nach K. zu den besten Ergebnissen der
Beckerschen Untersuchung (Bonn.. Jahrb. 1863 S. 1). Wie hat aber Becker
diesen Nachweis geführt ?, Seine obengenannte Uebersetzung von „pontes“
durch „Brückendammstrasse“ kann doch unmöglich als Beweis hierfür, höchstens
als eine nähere Erklärung gelten. Der einzige Beweis, den wir bei Becker
finden, besteht darin, dass er zeigen zu können meint, dass unmöglich Geso-
riäcum und Bononia gleichzeitig neben einander bei Boulogne bestanden haben
können. Durch seine Inschrift und die daraus gezogenen Schlüsse hat aber
Körnemann selbst jetzt erwiesen, däss diese beiden Oertlichkeiten tatsächlich
wohl schon in jener frühen Zeit, von der hier die Rede ist, neben einander
bestanden haben, dass also die. Beckersche Beweisführung vollkommen ver-
fehlt ist. „Borma“ zu Liebe hat dann aber K. nächher diesen vön ihm selbst
als falsch erwiesenen Nachweis als das „beste Ergebnis der Beckerschen Unter-
suchung“ in den Vordergrund gerückt. Die von Becker bestrittene frühere
Meinung ,,in dem Worte Borrna (a. L. Bona) der Florusstelle stecke der Name
Bononia“ ist also nicht nur nicht als unhaltbar erwiesen, sondern hat im
ersten Teile des. Kornemannschen Aufsatzes eine mächtige Stütze gefunden.
Borma war kein römischer Seehafen, sondern ist ein aus einer korrupten Stelle
hervorgegangener Fehlbegriff.

Man \yird es also hoffentlich den holländischen Archaeologen nicht übel
nehmen, wenn sie sich nicht darum bemühen werden, dieses „Borma“ in
ihrem heimatlichen Boden wiederzufinden. Ebenso kann daher auch von
einem Verbindungsweg von Borma und Gesoriacum an unserer Küste entlang
keine Rede sein. Die „strategische Küstenlinie“ ist nur ein Gebilde der
Phantasie. Wie man sich zu den sogenannten römischen Kastellen in unserer
Prövinz Holland m. E. zu verhalten habe, darüber habe ich schon früher
geschrieben und werde ich auch im nächsten „Bericht über die Fortschritte
der röm.-germ. Forschung“ meine Meinung auseinandersetzen.

Leiden (Holland). Dr. J. H. Holwerda jr.

Zur Geschichte des Rheinheeres.

20. Durch den Papyrus B. G. U. 1104, vgl. Schubart, Archiv f. Pap. 5> 39,
wird bewiesen, dass die 22. Legion bereits im Jahre 8 v. Chr. in Aegypten
stand. Demnach kann es auch keinem Zweifel mehr unterliegen, dass die
17. bis 19. Legion, die in der Varusschlacht ihren Untergang fanden, eben-
falls aufgestellt waren, als Drusus mit dem verstärkten Rheinheere die Unter-
werfung Deutschlands begann. Die Besiegten der Varusschlacht sind daher
keine Rekruten gewesen, wie Mommsen wollte, sondern erprobte Veteranen,
die seit 20 Jahren die Deutschen zu bekämpfen gewohnt waren. Auch die
Ansicht, dass das moesische Heer um dieselbe Zeit aus einer syrischen und
einer ägyptischen Legion gebildet wurde (Die Rangordnung S. 176), gewinnt
an Wahrscheinlichkeit.

Heidelberg.

v. Domaszewski.
 
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