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Römisch-germanisches Korrespondenzblatt: Nachrichten für römisch-germanische Altertumsforschung — 3.1910

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Nr. 6 (Nov. u. Dez.)
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Jacoby, H.: Saalburg: Römische Funde am Herzberg
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Domaszewski, Alfred von: Dulgubnii
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https://doi.org/10.11588/diglit.24880#0096

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einer Vertiefung fest verpackt und mit Steinen zugedeckt war, bestand aus zwei
auffallend breiten Langschwertern, 6 verschiedenen Doppeläxten, i Sense, i Pflug-
messer, 2 Schnitzmessern, 1 Amboss, I grossen Bohrer, I Dreizack (zum Fisch-
fang?), 1 Schelle, I grossen Wage mit Bleigewichten, 1 Dreifuss, sämtlich aus
Eisen, I verzierten Schlossblech aus Bronze, 2 langen cylindrischen Schleifsteinen
und einem zu demselben Zweck verwandten Steinbeil — im Ganzen aus 25 Gegen-
ständen. Da die einzelnen Werkzeuge den verschiedensten Berufzweigen ange-
hören, muss man annehmen, dass sie ein am Limes entlang reisender Händler nahe
einer Strasse im dichten Walde versteckt hat, aber nicht mehr rechtzeitig an den
Ort der Bestimmung bringen konnte. Ein ähnlicher, aber noch bedeutenderer
Depotfund, der seinerzeit ebenfalls dem Saalburgmuseum übergeben wurde, ist vor
einigen Jahren in der Nähe der Hohen Mark bei Oberursel gemacht worden,
nicht weit von dem hier von Mainz nach der Saalburg vorüberziehenden „Linden-
weg“. Er enthielt die Werkzeuge und Erzeugnisse eines [K u p f e r (?)] Schmiedes.
Da auch früher römische Fundstücke vereinzelt am Herzberg zum Vorschein kamen,
ist es nicht ausgeschlossen, vielleicht hinter dem Berg das fehlende Zwischenkastell
zu finden, das dort an dem hinter dem Herzberg vorbeiziehenden Pfahlgraben
immer noch zu suchen ist.

Homburg v. d. Höhe. H. Jacoby.

57. Dijon. Nach einer Notiz in der Revue
archüologique (1910, XVI S. 162) sind in
der Nähe von Dijon, 2 km südlich der Stadt,
da wo sich die Bahnlinien Paris-Lyon und
Dijon-St. Amour trennen, wieder zahlreiche
Ziegelstempel der leg. VIII Aug. gefunden
und zwar 7 verschiedene Typen. Auch der
Name des Legaten L. Appius ist vertreten.

Hermeskeii. Die Reste eines vorge-
schichtlichen Brandgrabes, die am Nordost-
ende des Ortes vor einiger Zeit entdeckt
und vom Hauptlehrer Bach gerettet wurden,
sind jetzt dem Provinzialmuseum in Trier
überwiesen worden. Es handelt sich um
drei ziemlich gut erhaltene Tongefässe aus
der Spät-Latene-Zeit, der Uebergangszeit
zum Römischen.

Loesenich a. d.Mosel. Auf dem Kirch-
hofe des Dorfes sind beim Ausheben von
Gräbern neben altem Mauerwerk zahlreiche
römische Topfscherben, Eisensachen u. a.
gefunden worden. Da auch in der Nach-
barschaft des Friedhofes bei Feldarbeiten
weiteres altes Mauerwerk beobachtet wor-
den sein soll, scheint es, als ob man hier
auf die Reste einer grösseren römischen
Villa gestossen sei. Die Lage des Fried-
hofs und seiner Umgebung, die sich etwas

über Strasse und Dorf erheben, würde gut
dazu passen.

Trier. Dank der testamentarischen
V erfügung einer kürzlich verstorbenen Dame
ist dem Provinzialmuseum jetzt die Mög-
lichkeit gegeben auf einem Grundstück, das
zu den noch nicht untersuchten Teilen der
römischen Thermen gehört, eingehende
Untersuchungen anzustellen. Die Provin-
zialverwaltung hat dafiir besondere Mittel
zur Verfügung gestellt. Die Arbeiten sind
seit einem Monat im Gange und haben be-
reits grössere Partien des warmen Schwimm-
bassins, um das genau entsprechend dem
östlichen, auch die Räume dieses westlichen
Flügels sich gruppieren, freigelegt. Der
Treppenturm neben dem Bassin ist hier be-
deutend besser erhalten. Andere Teile er-
weisen sich als viel mehr zerstört als das
im freiliegenden Ostteil der Fall ist. An
diesen Stellen können nun die Reste der
unter den Thermen liegenden älteren Wohn-
häuser, die bei Errichtung des Badegebäu-
des im 4. Jahrhundert fallen mussten, und
die sehr starke Fundamentierung des Ther-
menbaues näher untersucht werden. Unter
den Einzelfunden befindet sich als Zufalls-
fund auch ein undurchbohrtes Steinbeil,
das noch mit anhaftendem Mörtel in römi-
schem Schutt zu Tage kam.

MISZELLEN.

Dulgubnii.

58. Die Völkerwanderung, durch welche der Marcomanenkrieg hervorgerufen
wurde, hatte die Longobarden von der unteren Elbe in das Waagtal geführt 1).
Eine neugefundene Inschrift aus Brigetio, deren Kenntnis ich Kuszinzski
verdanke, lehrt, dass auch ihre Nachbarn, die Dulgubnii 2) das gleiche Schick-
sal traf.

*) Marcussäule S. 114.

2) Wissowa R.E. V, 1784.
 
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