Sally Rosenberg <Frankfurt, Main> [Editor]
Moers in nummis: bedeutende Reihen von Moers, Nassau-Oranien, Brandenburg-Preußen, Jülich-Cleve-Berg und der Pfalz ; Versteigerung: Montag, den 16. Februar 1920 und folgende Tage — Frankfurt a. M., 1919

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Vorwort.

Über die Entstehung der Sammlung wird Folgendes bekannt:

Schon in früher Jugend kam dem Besitzer der hier zur Versteigerung
kommenden Kollektion durch die Bekanntschaft mit der vom Krefelder
Bankier C. C. Sohmann1) angelegten Münzsammlung der Gedanke, über die
am linken Niederrhein, besonders in der Grafschaft Moers kursierenden Geld-
sorten vergangener Jahrhunderte eine Sammlung anzulegen, um sich und
seinen Freunden dadurch die Geschichte der Gegend, ihrer Herrscher und
ihrer bedeutendsten Persönlichkeiten im Bilde vorzuführen. Das Ganze sollte
das Münzkabinett einer niederrheinischen Stadt bilden und gleichzeitig zeigen,
wie auch für kleine Gebiete eine Münzsammlung, unter ständiger Fühlung
mit der Landes- und Heimatskunde, geschaffen werden kann.

Das Interesse des Sammlers wurde zunächst auf die für Kleve geprägten
Preussischen Münzen2) gelenkt, dann auf Stücke der Häuser Pfalz-Neuburg*),
Pfalz-Zweibrücken4) und Nassau-Oranien6) unter besonderer Berücksichtigung
des 17. Jahrhunderts. Erst verhältnismässig spät werden die eigentlichen Moerser
Prägungen6) vor 1600 und diejenigen des Herzogs Joh. Wilh. von Jülich-Kleve-
Berg7) aufgenommen. Unter den Moerser Münzen sind wegen ihres schönen
Gepräges die Taler des Grafen Herrn, v. Neuenahr8) von Numismatikern geschätzt.
Diese Taler zählten laut „Historische Remarques über die neuesten Sachen in
Europa" vom Jahre 1707 schon damals zu den Seltenheiten. Unter ihnen ist
der Moerser Doppeltaler der Sammlung Reimmann von ganz besonderem Wert,
weil er das einzige bisher bekannt gewordene Exemplar ist.

Neben den Talern von Hermann von Neuenahr (1553—78) zeigen die
Prägungen des Hauses Nassau-Oranien verschiedene Seltenheiten und Stücke
von besonderer Schönheit. Der Anblick dieser Serie lässt die überragende Macht
erkennen, welche die Nachkommen Wilhelm des Schweigers, des Freiheitshelden,
im 17. Jahrhundert auf die niederrheinischen Verhältnisse9) und Territorial-
herren ausgeübt haben. Mit Beginn des 18. Jahrhunderts ist der Einfluss dieses
Fürstenhauses auf den Niederrhein im Sinken. An seine Stelle tritt die durch
den grossen Kurfürsten von Brandenburg eingeleitete, auf die verwandtschaft-
lichen Beziehungen10) zu den Generalstatthaltern fussende Macht von Branden-
burg-Preussen, welche sowohl durch staatsmännische Klugheit wie durch kriege-
rische Unternehmungslust in Friedrich dem Grossen11), während des ganzen
18. Jahrhunderts seine Überlegenheit zu behaupten weiss.

Das Moerser Münzregal wird 1373 dem Ritter Johann von Moers (f 1375)
durch Kaiser Karl IV. verliehen. Es wird besonders oft von Friedrich IV.")
(1383—1452) gehandhabt, dessen Brüder Kurköln13), Münster14) und Utrecht
beherrschen. Friedrich passt seine Prägungen möglichst dem dort kursierenden
Geld an. Ihm wird wie den vorgenannten Herrschern der geistlichen Territorien
das Münzregal ein Weg, sich von den ständigen Geldnöten zu befreien, unter denen
im XIV. und XV. Säkulum nicht nur die Kurfürsten, sondern auch die kleinen
Dynastengeschlechter zu leiden haben.

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