Sally Rosenberg <Frankfurt, Main> [Editor]
Moers in nummis: bedeutende Reihen von Moers, Nassau-Oranien, Brandenburg-Preußen, Jülich-Cleve-Berg und der Pfalz ; Versteigerung: Montag, den 16. Februar 1920 und folgende Tage — Frankfurt a. M., 1919

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Ober die Münzen der Herren und Grafen von Moers.

Die Geschichte der Herren und Grafen von Moers gibt Kunde von neun
in der Zeit von 1226—1493 herrschenden Herren und Grafen des älteren Ge-
schlechts; vier von diesen heissen Dietrich, vier Friedrich und einer Vinzenz.
Die ersten sechs, Dietrich I., II. und III., Friedrich I. und II. und Dietrich IV.
scheiden bei diesen Betrachtungen aus, da von ihnen keine Münzen existieren,
oder vielmehr keine bekannt geworden sind.

Dietrich IV. stirbt 1372. Sein Bruder Johann, der sich Bitter von Moers
nennt, besitzt die Herrschaft Diedem (Dydem). Darauf ausgehend, seine Be-
sitzungen zu mehren, kauft er 1364 die mit dem Münzrecht ausgestattete, im
Herzogtum Jülich (südwestlich von Heinsberg) gelegene Herrschaft Gangelt
von dem Herzog Beinald III. von Geldern, der sie im Jahre 1363 als Pfandschaft
von dem Grafen von Loos (Looz) bekommen hat. Ferner nimmt Johann von
Moers 1366 von dem verschuldeten Herrn Bono (oder Bovo?) zu Friemersheim
die Herrschaft dieses Namens mit ihren Einkünften in Pfandbesitz.

Am 30. Oktober 1373 erteilt Kaiser Karl IV. diesem Bitter Johann von
Moers das vererbliche Becht, in den Schlössern Friemersheim und Diedem oder
sonstwo in der Herrschaft Moers eine Münzstätte zu errichten und Goldgulden,
sowie auch grosse und kleine Silbermünzen nach bestimmtem Gewicht und
unter seinem eigenen, nicht unter dem Bilde des Kaisers oder des Beiches, prägen
zu lassen. Ob Johann von Moers dieses Münzprivilegium ausgenutzt hat, ist
bis jetzt noch nicht festgestellt worden, aber dass er das Münzrecht der Herr-
schaft Gangelt für sich ausübt, beweist das Vorhandensein eines Gangelter
Groschens, der um 1364 etwa geprägt sein muss. Dieser Groschen ist doppelt
interessant, einerseits als die erste bekannte Münze der Herren von Moers, ander-
seits als die älteste aller bekannten Münzen mit deutscher Umschrift in gotischen
Buchstaben. Die Umschrift lautet: HEB IOHAN £ VA — N MOEBSCHE
Im Felde befindet sich über einem Wappenschildchen mit einem Doppeladler
eine stehende Figur mit Szepter in der Bechten und Beichsapfel in der Linken.
Die Figur ragt mit dem Kopfe in den Baum der Umschrift hinein. Die Bück-
seite des Groschens zeigt zwei Umschriften, eine innere und eine äussere. Die
innere + MONETA t GAN GELT*, welche ein Kreuz umringt, verkündet, dass
die Münze in Gangelt geprägt wurde, die äussere stellt sich in dieser Weise dar:
XPC i VING IT i XPC i BEGNAT • XPG i INPEB + Diese Schreibweise
ist insofern ganz merkwürdig, als die dreimal auftretenden Buchstaben XP
nicht als lateinisch X P, sondern als griechisch Ch und B zu lesen sind. Das
jedesmal nachfolgende gotische C ist als griechisches Sigma aufzufassen, das
man in der damaligen Zeit so geschrieben haben mag. Die drei Buchstaben XPC
bedeuten den ersten, zweiten und siebenten Buchstaben des griechischen Wortes
XPIITOI oder des lateinischen Christus. Die ganze Umschrift ist zu lesen:
Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat. Diese hochseltene Münze des
Bitters Johann von Moers ist für jeden Sammler niederrheinischer Münzen
eines der begehrenswertesten Stücke. Eine andere Münze ist von Johann nicht
bekannt geworden. Derselbe stirbt ohne Leibeserben am 4. Mai 1375. Seine
sämtlichen Bechte und Besitzungen, vor allem das Münzrecht, die Herrschaft
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