Studia do Dziejów Wawelu — 4.1978

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WALTER LEITSCH, WIEN

DER BRAND IM WAWEL AM 29. JANNER 1595

Jedem aufmerksamen Besucher der Kónigsresdienz in Krakau bleibt
im Gedachtnis haften, daB sich eine kleine Gruppe von Raumen des Schlosses
von den restlichen zahlreichen Gemachern durch die Art der Innenausstattung
unterscheidet. Dies fallt umso mehr auf, da das SchloB sich ansonsten durch
stilistische Geschlossenheit auszeichnet. DaB einige Raume im Stil des Friih-
barock gestaltet wurden, v/ar die Folgę eines Brandes, der am 29. Janner
1595 die alte Innenausstattung zerstórt hatte. Es sind nur wenige Einzelheiten
iiber den Verlauf des Brandes in der einschlagigen Literatur zu flnden, da
die bisher bekannten Quellen nur ganz kurz dariiber berichtenŁ. Unsere
Kenntnisse lassen sich jedoch um einiges erweitern, denn im Haus-, Hof- und
Staatsarchiv in Wien werden mehrere Briefe aufbewahrt, die genauere Anga-
ben iiber den Ausbruch des Brandes, die Loscharbeiten, die Rettung der
gefahrdeten Gegenstande und auch iiber die durch den Brand erlittenen Ver-
luste enthalten. Die Kónigin selbst, ihr Beichtvater, der Jesuitenpater Sigis-
mund Ernhofer, ihr Oberkammerdiener Georg Schiechel und eine ihrer Kam-
merdienerinnen, Ursula Meyerin, geben in ihren Briefen an die Erzherzogin
Maria, die Mutter der Kónigin Anna, ein sehr detailliertes und lebendiges
Bild von den Vorgangen im SchloB an jenem 29. Janner 1595. Diese Briefe
sind Teil einer Korrespondenz, die ursprunglich sehr umfangreich gewesen
sein muB, die jedoch nur in Fragmenten erhalten geblieben ist. Gliicklicher-
weise ist jedoch keiner der Briefe verlorengegangen, in denen iiber den Brand
berichtet wurde 2.

l)ber die Ursache des Brandes gibt es eine einzige kurze Bemerkung,
die Schiechel jedoch nur so nebenbei machte; deshalb kann man nicht mit
Sicherheit sagen, daB es sich dabei etwa um das Resultat einer Untersuchung
der Ursachen des Brandes handelt: «Das feur, gnedigste frau, ist nit ein grazer
elln 3 von dem stiegl, wo man auf die altan get, auskomben, dann man in die
stuben, wo der kónigkliche beischlaff gewesen... ein ofen gemacht. Neben
disem rauchfang ist ein zwerchpalgken 4 brinnent worden» 5. Danach miiBte
der Brand die Folgę einer unsachgemaB durchgefiihrten Hafnerarbeit
gewesen sein. Ob dies nun zutrifft oder nicht, jedenfalls begann der Brand
an diesem Rauchfang und durch einen neu eingezogenen Balken 6.

Ais man den Brand entdeckte, bemerkte man vorerst jedoch nicht, daB
ein Balken brannte, sondern man glaubte, man habe es mit einem Kamin-
brand zu tun. Heiducken haben auch zweimal in den Kamin hineingeschos-
sen 7, doch diese Bemiihungen muBten erfolglos bleiben, da es sich ja nicht
um einen Kaminbrand handelte.

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