Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst / Korrespondenzblatt — 10.1891

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Redigiert von
Professor Dr. Hettner
in Trier und
Professor Dr. Lamprecht
in Leipzig.

Komsoontaztila

der

Verlag
der
FR. LINTZ’Schen
Buchhandlung
in Trier.

Westdeutschen Zeitschrift für Geschichte und Kunst,
zugleich Organ der historisch-antiquarischen Vereine zu Backnang, Birkenfeld, Dürk-
heim, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Karlsruhe, Mainz, Mannheim, Metz, Neuss, Prüm,
Speyer, Strassburg, Stuttgart, Trier, Worms, sowie des anthropol. Vereins zu Stuttgart.
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Jnni. Jahrgang X, Kr. 6. 1891.

Das Korrespondenzblatt erscheint in einer Auflage von 4000 Exemplaren. Inserate ä. 25 Pfg. für die
gespaltene Zeile werden von der Verlagshandlung und allen Inseraten-Bureaus angenommen, Beilagen
nach Uebereinkunft. — Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich, das Korrespondenzblatt monatlich. —
Abonnementspreis 15 Mark für die Zeitschrift mit Korrespondenzblatt, für letzteres allein 5 Mark.

Neue Funde.
52. Frankfurt. [Römische Ausgrabungen bei
Dortelweil.] In der Versammlung des
Frankf. Vereins für Gesell, nnd Altertk.
am 27. April d. J. berichtete Professor
Dr. Wolff über die Ergebnisse der von
ihm in Gemeinschaft mit Professor Dr. Riese
in den ersten Tagen des April unternom-
menen Aufgrabung römischer Fundamente
auf dem „Weiler Berge“, nördlich des ehe-
mals frankfurtischen, jetzt grossherzoglich
hessischen Dorfes Dortelweil.
Vom Weiler Berge waren bisher zwei
Berichte über Fundo römischer Reste aus
den Jahren 1798 und 1832 überliefert und
durch ITammerans Urgeschichte von Frank-
furt a. M. und der Taunusgegend weiteren
Kreisen bekannt geworden. Hammerau
schloss aus den noch heute im Frankfurter
Museum vorhandenen Fundstücken mit
Recht, dass es sich um eine nicht mili-
tärische Niederlassung handele. Im übrigen
war man sich zur Zeit der Auffindung über
den Charakter der zweifellos vorhandenen
römischen Niederlassung noch so wenig klar,
dass Römer-Büchner ganz im Geiste der
früheren Lokalforschung mit Rücksicht auf
einen 1798 gefundenen Ziegelstempel auf
dem Weiler-Berge ein Kastell annahm,
während Böhmer, vorsichtiger und kritischer,
sich begnügte, aus den Funden vom Jahre
1842 „die Thatsache römischen Anbaus“
zu folgern. Pianmässigo Ausgrabungen
waren an der Fundstelle nie vorgenommen
worden.
Voraussetzung, von der man beim

Beginn der Nachgrabungen ausging, dass
auf dem Weiler Berg keine militärische
Anlage, sondern eine der mit dem Namen
„Villa“ bezeichneten ländlichen Ansiede-
lungen gelegen habe, von welchen das
Mainland und die Wetterau viel dichter
besetzt war, als man seither angenommen
hat, fand sich durch das Ergebnis der
viertägigen Arbeiten vollkommen bestätigt.
Zwar waren die Mauern bis auf die Fun-
damentsohle im Laufe der Jahrhunderte
von den Bewohnern Dortelweils so gründ-
lich als Steinbrüche benutzt worden, dass
man die Mauerfluchten meistens nur aus
den mit den unnützen Trümmern wieder
ausgefüllten Resten erkennen konnte. Doch
genügte das Vorhandene um den äusseren
Grundriss eines sehr stattlichen Herren-
hauses von 25,60 m Länge und 15,60 m
Breite mit 1 m starken Grundmauern, sowie
mehrere innere Längs- und Quermauern
festzustellen, welche Schlüsse auf die dem
nordischen Klima angemessene Bauart und
die Raumverteilung gestatteten. Die in den
unterkellerten Teilen gefundenen Reste von
ITypokaustpfeilern, Kacheln und Deckplat-
ten mit dem auf ihnen noch festsitzenden
Ziegelestrich (opus signinum) Hessen die
Existenz und die Lage von Luftheizungs-
einrichtungen erkennen, die ebenso wie die
zu Tage geförderten Dachziegel (tegulae
und imbrices) sowie die Reste von Wand-
bemalung und andere Umstände für eine
reichere Ausstattung des stattlichen Ge-
bäudes sprechen. Demgegenüber fiel die
Geringfügigkeit der Einzelfunde an Metall-
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