Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 29.1935

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BESPRECHUNGEN

nischen Ideen des Wahren, Guten und Schönen anzugeben ist. Das ständig wirksame
Bewußtsein der geistigen Wertigkeit des Schönen hindert den Verf. daran, das Wohl-
gefallen an der menschlichen Schönheit lediglich auf sublimierte Sinnlichkeit zu
gründen, ohne daß es zu einer Unterschätzung dieses Faktors käme. Von einer spiri-
tualistischen Verflüchtigung des Schönen hält sich der Verf. fern, was u. a. seine
Ausführungen über menschliche Körperschönheit zeigen. Dabei wird deutlich, daß
ihm unmittelbar anschauliche und nachfühlbare Zweckgemäßheit als wichtiges Schön-
heitskriterium erscheint. — Für die metaphysische Begründung des Sachverhalts der
Einfühlung wird ein Gedankengang wichtig, mit dem Eibl deutlich formuliert, was
zahlreichen Ästhetikern vorschwebt, wenn sie bei Erörterung der letzten Wurzeln
der Einfühlung den Schritt vom Psychologischen zum Metaphysischen tun. Der
Mensch ist dem Gesamtreich des Lebendigen eng verbunden im Sinn der gemein-
samen Herkunft aus der Idee des Lebens. Noch inniger ist die Gemeinschaft des Ich
mit den anderen Persönlichkeiten. Erst am Du wird das Ich zum Ich. Die Annahme
eines absoluten Wir, zu der Eibl an dieser Stelle kommt, läßt es als möglich er-
scheinen, daß es Seelen geben werde, die ein gesteigertes Wissen um die Verbunden-
heit der Seelen nicht im Weg der Reflexion, sondern durch unmittelbare Anschauung
besitzen und auch mit der Fähigkeit einer gesteigerten Wirkung von Seele zu Seele
ausgestattet sind. Von hier aus wird die Allgemeingültigkeit des Satzes bezweifelt,
der Mensch wisse von der Seele eines andern nur durch dessen Ausdrucksgebärden
und einen Schluß aus der Selbstbeobachtung. — Neben metaphysischen Ausführungen
allgemeinster Art stehen dann sehr konkrete Ausführungen über Begriffe, die in der
Gegenwart eine große Rolle spielen und mit denen sich auch der Ästhetiker, der
seine Zeit verstehen will, auseinandersetzen muß. Ein solcher Begriff ist der der
Rasse, hinter dem ja nicht nur ein ethnologischer, politisch-historischer usw. Sach-
verhalt, sondern auch ein ästhetisches Phänomen steht. Rasse im ästhetischen Sinn
wäre die volksbiologische Voraussetzung für den Bestand an durchgehenden Zügen,
an Invarianten der Ausdrucksformen, den man als anschaulich gewordenen National-
charakter oder Nationalstil bezeichnen könnte. Eibl faßt die ästhetische Bedeutung
des genannten Begriffs als eine besondere Übereinstimmung von körperlichen und
seelischen Eigentümlichkeiten. Bemerkenswert sind seine Ausführungen über Rasse-
ideal und Rassepolitik, in denen seine Absage an jeden Wertrelativismus besonders
entschieden zu Wort kommt.

Unserer eingehenden Besprechung dürfte wohl der Nachweis gelungen sein, daß
Eibls bedeutendes Buch in mehrfacher Hinsicht Berührungen aufweist mit dem In-
teressenkreis der Leser dieser Zeitschrift: es ist wichtig für die Kunstgeschichts-
philosophie der Gegenwart, wichtig für eine Systematik der Bildkünste mit besonderer
Berücksichtigung ihrer jüngsten Entwicklung und schließlich auch für die meta-
physische Ästhetik. So ist denn eine Beschäftigung mit diesem Werk auf jeden Fall
wertvoll und ertragreich, auch für denjenigen, der den metaphysischen Stand- und
Ausgangspunkt des Verfassers nicht teilt.

Wien. Friedrich Kainz.

Hubert Schrade: Das deutsche National-Denkmal. Idee, Ge-
schichte, Aufgabe. 1934. Albert Langen, Georg Müller, München.

Der Verfasser fragt, „was denn das Wesen eines National-Denkmals ausmache,
ob ihm ein Sinn eigne, der sich von dem gewöhnlicher Denkmäler unterscheide, ob ihm
infolgedessen auch eine bestimmte Gestalt zukomme und von welcher Art diese sei".
Er geht aus von dem Düsseldorfer Schlageter-Denkmal, das in einer wirkungsvollen
Abbildung gezeigt wird. Dies Denkmal besteht aus zwei steinernen Ringen, die den
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