Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 29.1935

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BESPRECHUNGEN

Vor uns liegt also der rasch geschriebene Deutungsversuch eines feingebildeten
Mannes. Aber „die Andacht zum Kleinen" schwingt nicht als das ätherische Fluidum
durch seine Zeilen. Als Vorspiel einer weiterausholenden Darlegung mag man die
Schrift jedoch gerne gelten lassen.

Berlin. Alfred Neumeyer.

Karl Heinz Wiese: Robert E. Prutz' Ästhetik und Literatur-
kritik. Halle, Akademischer Verlag 1934. 134 S. RM. 4.80.

Eine der vielseitigsten und zugleich beachtenswertesten deutschen Schriftsteller-
persönlichkeiten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts war der Pommer Robert Prutz.
Privatgelehrter, Dramaturg, Vorleser, eine Zeitlang auch Universitätsprofessor für
deutsche Literaturgeschichte, war Prutz nicht nur Literarhistoriker und -kritiker von
Rang, Mitarbeiter, Begründer und Leiter bekannter Taschenbücher und Zeitschriften
wie der „Halleschen Jahrbücher" und des „Deutschen Museums", er verfaßte auch,
als so frühe Leistungen bahnbrechend, geschichtliche Darstellungen des deutschen
Journalismus und des deutschen Theaters und war überdies selbst als Lyriker, politi-
scher Satyriker, Dramatiker, Holbergübersetzer und Verfasser sozialer Romane dich-
terisch tätig. Es muß verlockend sein, bei einem Schriftsteller von derart allseitiger,
sowohl darstellender wie schöpferischer literarischer Tätigkeit den ästhetischen
Grundsätzen nachzugehen, die jener Tätigkeit zugrunde lagen. Dieser Aufgabe hat
sich W i e s e in seiner Schrift, einer unter Ferdinand Josef Schneider in Halle gearbei-
teten Dissertation, mit Gründlichkeit und feinsinniger Einfühlung unterzogen. Es
kommt ihm zunächst darauf an, die weltanschauliche und allgemein-ästhetische Stel-
lung des Linkshegelianers Prutz festzulegen. Das ergibt für seine Ästhetik und Lite-
raturkritik vor allem die Gervinus folgende Grundhaltung, die Kunst in dem Sinne
als geistigen Ausdruck ihrer Zeit zu bewerten, daß vom Künstler gefordert wird,
Deuter des Zeitgeistes und zugleich Erzieher zu lebendiger Mitarbeit an den Auf-
gaben der Zeit zu sein. Prutz ist also der Überzeugung: „ein ästhetisch mangelhaftes
Kunstwerk vermag durch historische Bedeutsamkeit seinen ästhetischen Mangel so-
weit auszugleichen, daß es unbedingt positiv zu bewerten ist".

Sind zunächst solche allgemeinen Grundsätze Prutzs sehr überzeugend ent-
wickelt, so werden weiterhin aus seinem außerordentlich umfangreichen literarischen
Werk Belege beigebracht für zahlreiche literaturästhetische Einzelfragen, die dann
auf dem Hintergrund jener allgemeinen Grundsätze im Prutzschen Sinne heraus-
gearbeitet sind. So finden etwa sein Antinaturalismus, mit dem er durchaus auf dem
Boden der klassisch-idealistischen deutschen Ästhet'k steht, sein Begriff der Versöh-
nung, seine etwas flache Auffassung des Sittlichen in der Kunst, sein Begriff des
Tragischen und Komischen, der (inneren) Form, der Plastik, seine Anschauungen
über Charaktere und Handlung, historische Treue, Wahrscheinlichkeit u.a.m. ein-
sichtsvolle und klärende Erörterung. Prutz selbst ist nicht bestrebt gewesen, seine
ästhetischen und literarkritischen Grundsätze irgendwie systematisch darzulegen.
Umso dankenswerter ist es, daß das jetzt mit Wieses Buch in mühevoller Kleinarbeit
gründlich geschehen ist, nahm doch Prutz um die Mitte des vergangenen Jahrhun-
derts in der Literaturkritik Deutschlands eine maßgebende Stelle ein.

Greifswald. Kurt Gassen.

ItalienischeKulturberichte, hrsg. von W. v. Wartburg und Franco Val-
secchi. Leipziger Romanistische Studien, III. Reihe. Selbstverlag des Roman.
Seminars der Univ. Leipzig. 1. Jahrg. (1934—35), Heft 1—4.

Das erste Jahr ihres Lebens hat die Zeitschrift „Italienische Kulturbe: ichte", die
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