Zeitschrift für Geschichte der Architektur — 4.1910/​11

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32 Literatur.

der Autor bat in anerkennenswerter Weise die
Mühe nicht gescheut, die neueste Literatur fast
bis zum Moment der Drucklegung des Werkes
zu berücksichtigen und zu verarbeiten. Auch das
Abbildungsmaterial ist stark vermehrt, und es ist
Die Baukunst der Griechen von J. Dürrn, besonders zu begrüßen, daß auch hier, wie be-
(Handbuch der Architektur, zweiter Teil, I. Bd.) reits in der zweiten Auflage des römischen Bandes
V, 552 S., Lex.-8°, 502 Abbildungen im Text geschehen, mit der strengen Einhaltung des Prin-
und 6 Tafeln. 3. Auflage. Leipzig 1910, Alfred zips, nur Handzeichnungen des Autors zu bringen,
Kröner. Mk. 27, gebd. Mk. 30. — In den letzten gebrochen ist. So anschaulich diese auch wirken,
Tagen des vorigen Jahres erschien die mit Span- so haben sie doch eigentlich nur da Berechtigung,
nung erwartete dritte Auflage von J. Dürrns ver- wo es sich um eigene Aufnahmen handelt, und
dienstvollem Werk; «dem wissenschaftlich und bei vielen Denkmälern sind sie doch nicht im
praktisch geschulten Architekten, dem Archäo- stände, die Photographie zu ersetzen. In andern
logen, dem Kunsthistoriker und dem gebildeten Fällen wiederum ist es ratsamer, die Original-
Dilettanten» legt der Autor seine neue Arbeit vor, Zeichnungen anderer Forscher zu bringen, um
und mit Recht, denn schon die frühere Auflage ein zweckloses mechanisches Nachzeichnen zu
hatte eine Bedeutung gewonnen, die weit über vermeiden. — Auch eine Reihe neuer Farbtafeln
den Rahmen dessen hinausging, wozu das «Hand- ist hinzugekommen und zeigen, wie wir uns nach
buch der Architektur» seinem Wesen nach be- den Untersuchungen des Autors und anderer
stimmt ist. Dieses Buch zählte bereits zu den Forscher die polychrome Ausgestaltung einiger
wichtigsten Werken der wissenschaftlichen Fach- Bauwerke vorzustellen haben. Es liegt uns fern,
literatur, und sein großer Wert bestand darin, den väterlichen Scherz, den er sich durch die
daß es mit größtmöglicher Vollständigkeit alle Einfügung der Tafel I gestattet, zu verdammen,
wichtigen Erscheinungen der griechischen Bau- nur wollen wir uns nicht verhehlen, daß hier
kunst zusammenfaßte, sie beschrieb und in kurzen wohl kaum der rechte Ort dazu sein dürfte, und
Zügen ihre Baugeschichte und späteren Schick- daß der Leser dabei, auch wörtlich genommen,
sale darlegte ; in noch höherem Maße basierte seine die Kosten des Scherzes zu tragen hat.
Wichtigkeit darauf, daß er stets den Standpunkt Die Anordnung des Stoffes weist hier einen
des Technikers betonte, indem er ein großes Ge- großen Fortschritt der älteren Auflage gegenüber
wicht auf die Beschreibung von konstruktiven Ein- auf: Allgemeines und Spezielles, Konstruktives,
zelheiten legte und das einzige Buch war, das Formales und Baubeschreibung sind schärfer von-
ausführliche Nachrichten über die technische Be- einander geschieden und übersichtlicher geordnet,
handlung der Werksteine und über die Systeme Die ältesten Reste auf griechischem Boden, die
ihres Verbandes brachte, — alles Fragen, die für Bauwerke der vormykenischen und mykenischen
das Verständnis, die Datierung und Wiederher- Periode, die in den älteren Auflagen vielleicht
Stellung griechischer Bauten von größter Bedeu- zu kurz und zu allgemein behandelt waren,
tung sind. kommen jetzt voll zu ihrem Recht und bilden,
Die dritte Auflage hat in vollem Maße das ihrer eigenartigen Selbständigkeit entsprechend,
gebracht, was die früheren erwarten ließen, sie ein gesondertes Kapitel; es folgen darauf allgemein
enthält eine große Menge Wissen und Arbeits- gehaltene Abschnitte über die Baumaterialien und
kraft. Entsprechend der Fülle des neuen Mate- die Ausführung der Bauten, die technischen Ein-
rials, das die Ausgrabungen und Forschungen zelheiten der Baukonstruktion, über Städteanlagen
der letzten zwei Jahrzehnte gebracht haben, ist und ihre Verteidigungswerke, über die farbige Be-
der Umfang des Werkes, gegenüber der zweiten handlung der Gebäude (welches Kapitel vielleicht
Auflage, um die Hälfte vermehrt worden, und besser später folgen könnte) und über die formale

Wenn wir im vorliegenden Fall ausnahmsweise den für Bücherbesprechungen zur Verfügung stehenden
Raum erheblich erweiterten, so bestimmte uns zu dieser Mafsnahme ebensowohl die Bedeutung des be-
sprochenen Buches, als die Wertschätzuug der vorliegenden Ausführungen. Die Redaktion.
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