Zeitschrift für Geschichte der Architektur — 4.1910/​11

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in Privatbesitz befinden, sind schon beschrieben
worden. Da viele von diesen Schlössern, die
aus dem Mittelalter, der Renaissance und der
Barockzeit stammen fz. B. Bydboholm, Grönsö,
Torpa, Leckö, Ekenäs, Salsta, Sjöö, Skokloster,
Steninge, Eriksberg, Mariedal, Torup, Skarhult,
Svenstorp etc.), eine sehr interessante und wert-
volle Architektur aufweisen, und weil die Be-
schreibungen größtenteils von kunsthistorisch ge-
schulten Fachleuten herrühren, muß dem vor-
nehmen und reichillustrierten Werke auch aus
architekturgeschichtlichem Gesichtspunkte Bedeu-
tung zuerkannt werden. Von den Mitarbeitern
seien hier genannt: A. Hahr, 0. Granberg,
A. L. Romdahl, J. Roosval, N. Sjöberg,
Carl R. Freiherr af Ugglas, G. Upmark.

A.Hahr, Studier i Johan IH:s renäs-
sans. II. Villem Boy. Bildhuggaren och
byggmästaren. Uppsala 1910. (166 +
XVI s.)

Die Schrift ist der zweite Teil von des Ver-
fassers Abhandlung «Studier i Johan III: s
renässans», deren erster Teil, «Arkitektfamiljen
Fahr», im Jahre 1907 erschien (deutsche Aus-
gabe 1908), und behandelt einen der tüchtigsten
ausländischen Künstler, die unter den ersten
Wasakönigen nach Schweden berufen wurden.

Schicksal und Wirken des aus Mecheln stam-
menden Villem Boy vor seiner Ankunft in Schwe-
den im Jahre 1558 sind in Dunkel gehüllt. Bel-
gische Forscher haben ihn mit einem von L.
Guicciardini erwähnten Architekten Guillaume
d'Anvers zu identifizieren versucht. Da L. G.
1560 diesen Meister als einen schon verstorbenen
erwähnt, scheint die Identität doch unmöglich
zu sein.

Meister Villem begann seine Bahn in Gustav
Wasas Diensten als Porträtmaler, wurde aber
bald zu anderen Arbeiten als denen eines Malers
herangezogen. Mindestens zwei Porträts, in der
Sammlung zu Gripsholm, das eine ein Gemälde
auf Holz, das andere ein danach in Holz ge-
schnittenes vergoldetes Relief, können auf ihn
zurückgeführt werden. — Weit wichtiger wurde
seine Tätigkeit als Skulpteur. Nach der Thron-
besteigung des XIV. Erich (1560) erhielt Boy den
Auftrag, ein Denkmal über Gustav Wasas Gruft
im Upsalaer Dom zu verfertigen. Das Monument
wurde in Antwerpen 1562—72 ausgeführt und

in der früheren Mariakapelle des Domes 1580—81
aufgestellt. Damals war schon längst (seit 1568)
König Gustavs zweiter Sohn Johann III. Schwe-
dens Monarch, und für diesen kunstliebenden
Herrscher sollte er nachher die rührigste Wirk-
samkeit nach verschiedenen Richtungen hin' ent-
falten.

Verfasser bespricht sowohl das obengenannte
wie auch andere Grabdenkmäler, die stilistisch
und dokumentarisch Meister Villem gehören. Das
Gustav-Wasa-Monument ist ein breiter Alabaster-
Sarkophag mit den drei liegenden Statuen des
Königs und seiner beiden ersten Gemahlinnen.
An den Ecken befinden sich schlanke Obelisken.

Ein anderes Grabdenkmal, auch in Upsala,
war das der Königin Katharina Jagellonica, Jo-
hanns III. erster Gemahlin. Es ist ein Wand-
nischengrab, von zwei toskanischen, durch einen
kräftigen Bogen vereinigten Säulen umgeben.
Beide diese Denkmäler sind mit reichem Bronze-
schmuck (sogar Kolonnetten) verziert. Ein an-
deres bedeutendes Grabmonument, der Sarkophag
der kleinen Prinzessin Isabella, findet sich im
Dome zu Strängnäs. Diese und andere Monu-
mente, die Villem Boy wenigstens aus stilistischen
Gründen zugeschrieben werden können (z. B. der
Sarkophag Karls IX. in Strängnäs) verraten eine
deutliche Verwandtschaft mit der späteren
klassizistischen Stilrichtung des leitenden Ant-
werpener Meisters Gornelis Floris, der ja
auch für den Norden tätig war (Grabmäler in
Roskilde, Schleswig und Königsberg). Auch das
prachtvolle Grabmal Johanns III. zu Upsala von
dem Niederländer Villem van der Blocke
gehört zu demselben Kreise. Dem Verfasser ge-
lingt es sogar zu erweisen, daß die moderne
falsche Aufstellung dieses Monuments als ein
Baldachingrab gegen ein architektonisches Nischen-
grab vom Typus Sansovinos Kardinalengräber
zu Bom oder Cornelis Floris' Albrechtsdenkmal
im Dome zu Königsberg vertauscht werden
muß.

Villem Boys Wirksamkeit im Dienste des drit-
ten Johann kam jedoch im überwiegenden Grade
der Bau- und Dekorationskunst zu gute, eine
Wirksamkeit, die aber überhaupt nur in den
Dokumenten und in spärlichen Abbildungen ver-
folgt werden kann. Er war Baumeister auf den
Schlössern zu Stockholm und Svartsjö. Aber
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