Zeitschrift für Geschichte der Architektur — 4.1910/​11

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Literatur. 217

landingenieur im Fürstentum Münster. Sein
Leben und seine Bautätigkeit mit besonderer
Berücksichtigung des königlichen Schlosses zu
Münster i. W. Ein Beitrag zur Geschichte der
westfälischen Architektur des 18. Jahrhunderts
von Dr. Heinrich Hartmann, Heft 5 der Bei-
träge zur westfälischen Kunstgeschichte. Her-
ausgegeben von Dr. Herrn. Ehrenberg, o. P. der
Kunstgeschichte an der Westfälischen Wilhelms-
Universität in Münster. Münster 1910, Univer-
sitätsbuchhandlung Franz Coppenrath. XII und
315 SS., gr. 8° mit 155 Abbildungen, br. 12,50
Mark.

Nun hat auch Schlaun seinen Biographen ge-
funden. Wenn die Stärke des Bandes einen
Schluß zuließe auf die Bedeutung des Dargestellten
und des Darstellers, dann müßte sich der Pfarrer
von Tückelhausen und sein Balthasar Neumann
mit einem Platz dritten Banges bescheiden. Eine
gerechte Würdigung muß aber den Inhalt durch
Erwähnung des übrigens sonst sehr zu lobenden
dicken Papieres und anderer Umstände auf das
richtige Maß herabsetzen. Ein gewisses Miß-
verhältnis in der Stoffverteilung ist schon dem In-
haltsverzeichnis zu entnehmen. Schlauns Lebens-
geschichte ist mit einem Bogen erledigt. Das
Schlußkapitel seines künstlerischen Entwicklungs-
ganges zählt fünf Seiten mehr, den Hauptraum des
Bandes aber nimmt die Beschreibung der Bauten
ein, die nach des Verfassers Ansicht Schlaun zum
Urheber haben. Da aber hier dem unsicheren
Boden des Stilvergleichs zu viel zugemutet wird,
will die Ernte nicht recht befriedigen. Auch die
Fußnoten, durch deren reichlichen Gebrauch so
manchem Buch nur der Schein tiefgründiger
Wissenschaftlichkeit verliehen wird, enttäuschen,
da sie in der Hauptsache Auskunft über zu selbst-
verständliche Dinge geben (z. B. S. 126, Fuß-
note 1 «Wer sich über die in dieser Arbeit oft
vorkommenden Ausdrücke der kirchlichen Kunst-
archäolögie genau unterrichten will, der greife
zu dem Werke H. Otte, Handbuch der kirch-
lichen Kunstarchäologie des deutschen Mittelalters.
Leipzig 1883.») oder in ganz unnötiger Weise
zu jedem irgendwo zufällig genannten Namen
(z. B. auf S. 213 Lenötre) eine ganze Biographie
bringen, wobei nicht einmal immer die neuere
Literatur genügend berücksichtigt wurde. Daß
dem Verfasser meine ein halbes Jahr vor seinem

Buch erschienene Arbeit über das Bruchsaler
Schloß entging, ist verzeihlich.

Unzulänglich verwertet erscheinen die Pläne
Schlauns. Die reproduzierten geometrischen Zeich-
nungen genügen nicht durchaus billigen An-
sprüchen (z. B. Abb. 72). Immerhin, Schlaun
ist für Westfalen eine bedeutsame Künstlerpersön-
lichkeit, und dem Verfasser bleibt das Verdienst,
ihn in die Kunstgeschichte eingeführt zu haben.
Bei etwas bescheidenerer Aufmachung und bei
Beschränkung auf das positive Ergebnis der fleißigen
Forschung würde dieses Verdienst in hellerem
Lichte erschienen sein. //.

Josef Schöpf. Mit allgemeinen Studien über
den Stilwandel der Fresko- und Tafelmalerei
Tirols im 18. Jahrhundert von Heinrich Hammer.
190 S., 8° mit 22 Tafeln und 1 Textbild.
Innsbruck 1908. Wagner'sche Universitäts-Buch-
handlung.

Das hier gebotene ansprechende Lebensbild
gewinnt bei der Bedeutung der dekorativen Malerei
innerhalb der Gesamtkunst des 18. Jahrhunderts
auch das Interesse des Architckturhistorikers, um
so mehr als der Verfasser ein sehr anschauliches
Bild von der Entwicklung der klassizistischen
Richtung zu geben verstand. H.

Fritz Hoeber, Die Frührenaissance in
Schlettstadt. Ein Beitrag zur elsässischen Ar-
chitekturgeschichte, mit 101 Abbildungen in Pho-
tographie und Zeichnung. Verlag der Elsässischen
Rundschau, Straßburg 1911. 10 Mk.

Um das vorweg zu sagen: ein Buch, das schon
in seiner äußeren Aufmachung einen ganz sub-
tilen Geschmack verrät. Schade, daß einige von
den auf gelben Tafeln eingefügten Rasterdrucken
dem Lobe Einhalt tun. Bei aller angenehm wei-
chen Bildwirkung versagen sie wegen ihrer Weit-
maschigkeit durchaus beim Studium der Details.
Doch helfen für diese wieder in den meisten Fäl-
len gute Strichzeichnungen im Texte aus.

Die Disposition ist übersichtlich: drei Kapitel,
von denen jedes die Geschichte eines Baues gibt.
I. Das Hötel Ebersmünster von 1541. II. Das
Haus des Stadtbaumeisters Stephan Ziegler von
1538 und 1545. III. Die Johanniterkomthurei.

Große Gesichtspunkte treten in den Hinter-
grund, es seien denn die besondere Art oberita-
lienischen Einflusses und andrerseits die Feststel-
lung grunddeutscher Elemente, die jenen immer
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