Fliegende Blätter — 40.1864 (Nr. 965-990)

Seite: 81
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Farbige Stereoskop - Bilder aus Wien.

Eine Geschichte von Strümpfen. — Schluß.

, V.

Die Strumpf-Katastrophe im Thiergarten.

Drill man die größte Anzahl der Wiener „Naturforscher"
versammelt sehen, so begebe man sich zum Affenkäfig'des
Thiergartens. Das ist der Magnet für die elegante Welt,
zu welcher bekanntlich auch in neuester Zeit die Gelehrten
und Naturforscher gehören, denn die Wissenschaft von heute
vergißt über sich nicht die feine Welt, sie dringt in die Ge-

heimnisse der Natur in Lackstiefeln und Handschuhen und
hält sogleich inne, sobald sich der Staub und Moder viel-
jährigen Forschens zeigt. Daher kommt es, daß sich die
Naturwissenschaft jetzt einmal verbreitet, ohne sich dabei zu
— erweitern. Es gehört aber jedenfalls zum Bonton, Natur-
forscher zu sein, und im Thiergarten vollendet mau seine
Studien, die man mit — „Nass" begonnen.

Daß aber gerade der Affe es ist, welcher dies allge-
meine Interesse erregt, mag darin liegen, daß er als Ucber-
gangsglied von: Thiere zum Menschen zum — Nachdenken
auffordert.

Bei dem Mangel an vicrfüßigen „Löwen," muß mau
die zweibeinigen als Surrogat betrachten, das in zahlreichen
Exemplaren besonders vor dem Affenkäfig in Tieffinn verloren
zu finden ist. Bei dem Umstande, daß sich der Asse vor
dem Menschen dadurch kennzeichnet, daß er keine Waden
hat, wird die reflektirende Stimmung begreiflich, welche die
jungen Herren, und zuweilen auch die jungen Fräuleins beim
Anblick der Affen des Thiergartens befällt! —

Da also die Affen, diese natürlichen Turner ohne
„Sprecher," „Sprecher-Stellvertreter," „Schriftwart" u. s. w.
die meisten Bewunderer an sich ziehen, so ist es kein
Wunder, daß wir auch die Familie Schwindel mit ihren
Gästen vor dem Käfige finden.

Während nun Schwindels Töchter, wie alle andern
Zuseher jeder Bewegung, jeder Miene der lustigen Thiere ihre
Aufmerksamkeit schenken, hat Tante Mögclc dicßmal nur
Augen für die Finger ihrer Cousinen, in deren Händen sich
die Stricknadeln auch hier mit jener rapiden Schnelligkeit
bewegen, welche verabredet wurde, um die Unkcuntniß des
Strickens vor der Tante zu verblümcln.

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Objekt
Titel: Fliegende Blätter
Detail/Element: "Farbige Stereoskop-Bilder aus Wien"
Inv.Nr./Signatur: G 5442-2 Folio RES
Aufbewahrungsort: Universitätsbibliothek Heidelberg 
Schlagwort: Erkennen 
Besuch 
Gehege 
Brautwerbung 
Kattun 
Schwester <Motiv> 
Schwindel <Motiv> 
fallen 
Kleid <Motiv> 
Strickarbeit 
Zoologischer Garten 
Täuschung <Motiv> 
Bär <Motiv> 
Karikatur 
Stricken 
Junge Frau <Motiv> 
Cousin <Motiv> 
Tante <Motiv> 
Satirische Zeitschrift 
Wurf 
Schlagwort Liste: Wien
Schwaben <Motiv>
Wien-Schönbrunn / Tiergarten
Herstellungsort: München 
Bildnachweis: Fliegende Blätter, 40.1864, Nr. 975, S. 81
Aufnahme/Reproduktion
HeidICON-Pool: UB Fliegende Blätter 
Copyright: Universitätsbibliothek Heidelberg Die Nutzung dieses Werkes ist gemäß den Bedingungen der Creative Commons-Lizenz CC-BY-SA erlaubt (Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen).
Bild-ID HeidIcon: 144688
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