Winghardt, Stefan [Editor]; Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege [Editor]; Institut für Denkmalpflege [Editor]; Puppe, Josefine [Oth.]
Arbeitshefte zur Denkmalpflege in Niedersachsen: Archäologie und Informationssysteme: vom Umgang mit archäologischen Fachdaten in Denkmalpflege und Forschung — Hameln: Niemeyer, Heft 42.2013

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Der Einsatz des Web-Standards SVG in der Archäologie

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Der Einsatz des Web-Standards SVG in der Archäologie
Ralf Berger

Der vorliegende Artikel beschreibt den Einsatz von
SVG (Scalable Vector Graphics) in der GIS-Kompo-
nente der ADABweb, dem Denkmalpflege-Informa-
tionssystem der Länder Baden-Württemberg und
Niedersachsen. Hier werden Informationen zu Lage,
Ausdehnung und Denkmaleigenschaften von Boden-
und Baudenkmalen grafisch aufbereitet und auf dem
Hintergrund von zum Beispiel topografischen oder
Luftbild-Karten dargestellt.
Die Geometrien archäologischer Objekte lassen sich in
der Regel als Flächen, Punkte oder Linien darstellen.
Die Schutzflächen von Grabhügelfeldern sind Bei-
spiele für Flächengeometrien. Objekte mit punktför-
migen Geometrien sind zum Beispiel Einzelfunde oder
Objekte mit unsicherer Ortsangabe. Deiche und Land-
wehren sind zwar eigentlich flächenhafte Objekte,
werden aber häufig als Linien dargestellt. Für diese
Arten von Geometrien eignen sich Vektorgrafik-
formate (anders als Rastergrafiken), da sie über einen
großen Maßstabsbereich ohne Qualitätsverlust -
natürlich abhängig von der Qualität der Erfassung -
dargestellt werden können.
Bei der Konzeption der ADABweb wurden die folgen-
den Anforderungen an die GIS-Komponente entwi-
ckelt:
- eine geeignete Menge von Grafikelementen und
die einfache Generierbarkeit aus den in der Daten-
bank gespeicherten Geometrien (zum Beispiel
durch ein XML-basiertes Format),
- eine geeignete Menge von Darstellungsattributen
sowie die Möglichkeit, gleichartigen Objekten ge-
meinsame Attribute zuweisen zu können,
- eine wesentliche Anforderung des Niedersächsi-
schen Landesamtes ist die Möglichkeit, Punkt- und
Liniensignaturen (zum Beispiel Wellenlinien für
Deiche) zur Darstellung archäologischer Objekte zu
verwenden,
- die Möglichkeit, Grafiken aus anderen Quellen,
zum Beispiel topografische Hintergrundkarten, ein-
binden zu können,
- neben der Darstellung im Webbrowser werden
Werkzeuge zur Umwandlung in Rastergrafikfor-
mate benötigt,

- die einfache Erreich- und Manipulierbarkeit der
Grafikelemente, um die Grafik interaktiv ohne
Serverinteraktion verändern zu können; zum
Beispiel zur Änderung der Darstellung (Farben,
Liniendicken) oder zum Bearbeiten von Geo-
metrien.
SVG ist ein XML-basiertes 2-D-Vektorgrafik-Format,
das vom World Wide Web Consortium (W3C) für den
Einsatz in Web-Anwendungen entwickelt wurde. Es
erfüllt diese Anforderungen, wie im Folgenden ge-
zeigt wird.
Grafikelemente
SVG kennt drei Arten von grafischen Elementen:
Vektor-Grafik-Elemente, (Raster)-Bilder und Text.
Bilder können Raster-Bilddateien (zum Beispiel JPEG
und PNG) oder andere SVG-Dateien sein; sie können
aus einer lokalen Datei stammen oder über das Web
bereitgestellt werden, zum Beispiel durch einen Web-
MapService (WMS). Als elementare Vektor-Grafik-
Elemente stellt SVG zur Verfügung: Rechteck, Kreis,
Ellipse, Linie und Polygon.
In der ADABweb werden die Fachdaten in einer
PostgreSQL-Datenbank gespeichert; dabei werden die
Geodäten mittels der Erweiterung PostGIS bearbeitet
- beides OpenSource-Produkte, die inzwischen seit
vielen Jahren gepflegt und weiterentwickelt werden.
Konzeptuell ist ADABweb nicht auf ein Datenbank-
Management-System festgelegt; tatsächlich basierten
die ersten Versionen der ADABweb auf Microsoft-
SQL-Server- beziehungsweise Oracle-Datenbank-
systemen. Diese boten jedoch eine Unterstützung für
Geodäten zum Zeitpunkt der Entwicklung der GIS-
Komponente der ADABweb entweder gar nicht (SQL-
Server) oder nur gegen erheblichen finanziellen
Aufwand. PostGIS bietet eine umfangreiche Menge
von Funktionen zur Manipulation geografischer
Objekte sowie räumliche Indices, mit denen sich
Objekte innerhalb eines gegebenen Gebiets effizient
auffinden lassen. Außerdem gibt es Funktionen zum
Import/Export von Shape-Dateien für den Austausch
von Geo-Daten mit anderen GIS-Systemen und zur
Ausgabe von Objektgeometrien im SVG-Format oder
KML (Google Maps).
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