Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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EIN THESSALISCHER GOLD- UND SIEBERFUND

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den. Der breit ausladende Mündungsrand ersetzte einen Griff
oder Henkel, der gewölbte Boden passte sieh den Kohlen
des Herdes an.
Nicht abgebildet sind die Reste zweier bronzener Situ-
lae oder Eimer. Von dem grösseren sind zwei Randstücke
mit den Henkeln und dem in ihnen sich drehenden, abnehm-
baren Bügeln erhalten; dieser trägt gravierte Ornamente und
gleicht dem im Areh. Anz. 1900, 188 Abb. 14 publicierten aus
Boscoreale. Die Bronze scheint auch hier mit Silber legiert
zu sein. Von der zweiten Situla ist nur der Bügel mit einem
kleinen Randstück erhalten.
Abb. 7 zeigt den Hals eines Alabastron aus buntem, sog.
Onyx-Glas ’, mit goldenen Adern. Der Leib ist abgebrochen
(H. 5, Dm. unten 7,1 cm), oben sind zwei Löcher zum Durch-
ziehen einer Schnur angebracht. An ihr trug man das Väschen,
das wohl der Toilette, besonders beim Bade, diente.
Andere grössere Gefässe aus ganz ähnlichem Material
und mit entsprechenden Löchern wurden, unversehrt oder in
Scherben in dem unseren benachbarten Gräbern gefunden,
ebenso verschiedene andere, gräuliche oder weisse Gefässe
aus sehr feinem Glase, welche die ausgedehnte Verwendung
von Gläsern in dieser Gegend beweisen. Es sind meist syri-
sche Producte, die seit dem Ende des IV. Jahrh. ins Innere
Thessaliens über Pagasai gelangten, wo ich viele Grabsteine
syrischer Händler gefunden habe (Θεσσαλικά Μνημεία I Nr. 21.
31. 34. 59. 64. 66. 67. 76. 129. 162. 185. 187. 195 u. a.). Die Mehr-
zahl dieser irisierenden Gläser gehört dem III-I. Jahrh.
v. Clir. an. Dann scheint der Import aus jenen syrischen
Werkstätten aufgehört zu haben, von italisch-griechischen
Erzeugnissen verdrängt (Kisa, Das Glas im Altertum I 168).
Ein besonders schönes Stück ist das Fläschchen Abb. 14
(Nr. 13720), aus schönem tief rotem Glase, wie es nur höchst
selten vorkommt. Seine Oberfläche trug einen dichten grü-
nen Überzug, der sich mit Staub und Lehm zu einer Kruste
verbunden hatte, sodass man das Gefäss für thönern hätte

' [Vgl. Kisa, Glas im Altertum II 511. 517; S. Loeschcke, Sammlung
Niessen, Cöln 1911 Taf. 1-3 S. XII].
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