Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 50.1925

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DIE ALTGRIECHISCHE KUNST UND HOMER

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ander im Qebrauch gewesen sind und mehr völkische als zeitliche
Unterschiede bezeichnen. Eine von ihnen, eine monochrome
Topfware mit eingeritzten geometrischen Mustern, verdient unsere
besondere Beachtung, weil sie als die von den Achäern aus
ihrer nördlichen Heimat mitgebrachte Keramik gelten darf, aber
von Watzinger in ihrer Bedeutung nicht anerkannt wird. Ich
habe sie in meinem Buche (I 306 — 9) besprochen und für
Mykene, Thessalien und Leukas-Ithaka als die eigentümliche
Kunst der homerischen Achäer nachgewiesen. An einigen Orten,
wie z. B. in Mykene, ist sie schon friih durch die importierte
mykenische Kunst verdrängt worden (s. Kurt Miiller, Arch.
Jahrb. XXX 1915, 316), während sie an anderen Orten, wie
z. B. in Leukas-Ithaka, in Pylos und an einigen Orten Thessa-
liens, bis zum Ende der mykenischen Zeit im Gebrauch ge-
blieben ist.

2. Über die Zeit der mykenischen Kunst stimmen wir im
wesentlichen iiberein, da wir beide ihren Anfang etwa um 1700
und ihr Ende um 1100 ansetzen. Über ihren Ursprung gehen
dagegen unsere Ansichten auseinander. Nach Watzinger ist sie
um 1700 in Kreta aus der vorher dort herrschenden geome-
trischen Kamares-Kunst erwachsen, während ich sie als um die-
selbe Zeit aus dem Orient nach Kreta und zur Argolis importiert
ansehe. Ich halte ferner an der von Furtwängler eingefiihrten
Benennung ‘mykenisch 1 nach ihrem ersten Fundorte fest.
Watzinger nimmt dagegen den von Evans eingefiihrten Namen
‘minoisch’ an und erklärt ihn nicht nur fiir ‘neutral 1, sondern
auch fiir ‘gliicklich 1. Beidem kann ich nicht zustimmen und
halte die Bezeichnung fiir nicht gut und sogar fiir irrefiihrend.

3. Eine große Meinungsverschiedenheit besteht zwischen
uns iiber die Datierung und den Ursprung der geometrischen
Kunst von Olympia und Athen, indem Watzinger diese nach
dem Vorgange Furtwänglers ausschließlich der nachmykenischen
Zeit und den Griechen zuschreibt, während ich ihren Beginn
um ein Jahrtausend hinaufsetze und die vorgriechische Bevöl-
kerung beider Orte fiir ihren Träger halte. Ihr Ende nehmen
wir iibereinstimmend etwa um 700 an. Es ist ein schon oft
von mir berichtigter Irrtum, wenn immer wieder behauptet
wird, daß ich die geometrische Kunst von Olympia und Athen
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