Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 50.1925

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WILHELM DÖRPFELD

mehrere seiner Säulen erst in spätgriechischer Zeit in Stein
erneuert worden sind, also 4—500 Jahre länger als andere noch
aus Holz bestanden haben, und daß sogar eine seiner hölzernen
Säulen zur Zeit des Pausanias noch bestand, also etwa 800Jahre
länger den Einflüssen der Witterung widerstanden hatte. Die
weitere Tatsache, daß das Gebälk des Tempels sogar immer
aus Holz geblieben ist, gibt dem Lösungsversuch Rodenwaldts
den Todesstoß.

Auf die Baugeschichte des Heraions und auf die Holz-
tempel im allgemeinen kann ich hier nicht näher eingehen;
auch das wird in meinem Buche ‘Alt-OIympia’ geschehen.
Das hier und in meinem Bericht über die letzten Ausgrabungen
im Heraion (AM. XLVII 1922, 30—42) Gesagte muß vorläufig
genügen, um meine Überzeugung zu stützen, daß der älteste
Bau etwa ins XI. Jh. gesetzt werden muß, und daß der zweite
Tempel, der die erste Ringhalle aus Holzsäulen hatte, etwa dem
X.Jh. zuzuteilen ist.

Schon dies Resultat scheint mir geeignet, die bisherige
Vasenchronologie, die Furtwängler auf falschen Voraussetzungen
aufgebaut hat, umzustoßen. Die zwischen den verschiedenen
Tempelböden gefundenen protokorinthischen Vasenscherben
können unmöglich erst dem VII. Jh. angehören, wie Furtwängler
gelehrt hat. Seine Datierung dieser Vasen beruhte hauptsächlich
auf dem Gründungsdatum der griechischen Kolonie von Syrakus.
Aber seit langem vertrete ich die Ansicht, daß die proto-
korinthische Schicht in Syrakus nicht den Griechen, die im
Jahre 734 dort ihre Kolonie gründeten, zugeteilt werden darf,
sondern den Phönikiern gehört, die vor den Griechen auf der
kleinen Insel ihre Handelsniederlassung gehabt hatten. Seitdem
ich weiter durch G. Welters Dissertation iiber die Kunst Kar-
thagos erfahren habe, daß die älteste Gräbergruppe dieser im
IX. Jh. von Tyros gegründeten Stadt protokorinthische Topf-
ware enthält, und daß auch das neuerdings dort ausgegrabene
Heiligtum der Tanit solche Vasen als älteste Keramik geliefert
hat, scheint mir die Frage nach dem Alter dieser Vasen ent-
schieden. Nachdem ich ferner aus dem Buche von Withaker
(Motya, 1921) iiber seine Ausgrabungen in dieser nach Thuky-
dides (VI 4) sicher phönikisch gebliebenen Stadt Siziliens die
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