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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 14.1938

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https://doi.org/10.11588/diglit.42535#0042

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38

Paul Revellio


Abb. 2. Teilweise ergänzter Querschnitt durch Praefurnium L und Caldarium des
Kastellbades Hüfingen. 1 : 100.

In unserm Bad enthielt der Raum A. den Herd zwischen den beiden Schenkel-
mauern (Tas. VI, 1 zwischen Buchstabe Ä, und b), von wo aus die Heißluft in den
Hohlraum von 6 einströmte, um sich von hier aus dann durch die vier Kanäle (6)
in dem Hohlboden von Raum E zu verbreitern Direkt über dem Herd werden wir
den Kessel für das heiße Wasser anzunehmen haben, während die beiden starken
Ausbauten rechts und links als Unterlage für zwei aufgemauerte Wasserbehälter
dienten. Vitruv schreibt drei Kessel vor, einen für heißes, einen zweiten für laues
und einen dritten für kaltes Wasser; sie sollen so gestellt werden, daß aus dem
Lauwasserkessel in den heißen soviel einsließt, als an warmem Wasser ausgetreten
ist und ebensoviel von dem Kaltwasserkessel in den Lauwasserkessel. In Hüfingen
ist die Anlage einfacher: nur der mittlere der Wasserbehälter war aus Metall und
wurde unterheizt.
Der Raum 8 ist das Caldarium (Warmwasserbad), der wichtigste Raum
des Bades mit den Einrichtungen für das heiße Bad und die kalte Äbergießung,
und zwar in herkömmlicher Lage: zunächst die große Badewanne, der Alveus, mit
der Rückseite an die Herdwand angebaut, damit sie die Hitze aus erster Quelle be-
kam (Abb. 2). Durch eine sinnreiche Einrichtung war hier erstrebt, das Wasser aus
einem möglichst hohen Wärmegrad zu erhalten. Man führte von der Rückwand des
Alveus aus einen halbzylindrischen, ehernen Kessel, der sich der Wölbung des
Heizungskanals anpaßte, bis über die Feuerung. In dem Kessel, nach seiner Form
von den Römern Schildkröte, restucio, genannt, konnte das Wasser aus dem Alveus
über die Feuerung und wieder zurückfließen. Der Alveus nahm die ganze Breite
des Raumes ein, so daß in ihm gleichzeitig eine größere Anzahl Badender sich aus-
halten konnte. Er war wenig tief und hatte eine Breite von 2,75 m. Die Brüstungs-
mauer, durch die das Becken von dem übrigen Baderaum abgetrennt wurde, wurde
durch zwei aufgemauerte Pfeiler gestützt, die in den Raum hineinragten. Aus qua-
dratischen Backsteinplatten aufgesührte Pfeiler trugen den Boden der schweren
Wanne, die mit einem Wasserestrich abgedichtet war. Im übrigen Teil des Raumes
trugen schwächere runde Backsteinpseiler den Boden. Dieser obere Boden bestand
aus doppelten Backsteinplatten, über die ein Estrich gelegt war mit einem rohen
Mosaik. Die Ableitung der Luft in den Wänden geschah hier noch nicht durch Heiz-
kacheln, die erst seit der 2. Hälfte des 1. nachchristlichen Iahrh. eingeführt wurden,
sondern durch Nischen, die mit Warzenziegeln abgedeckt waren. Die dadurch ent-
standenen Hohlräume waren mit den Hohlräumen im Boden in Verbindung. Dem
Alveus gegenüber stand ebenso wie in den älteren Bädern von Pompeji in halb-
runder Apsis auf rundem Sockel ein Becken aus Stein, das Labrum, in dem laues
Wasser aussprudelte. An dieses trat man nach dem heißen Bade heran, um sich zur
 
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