Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 14.1938

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W. LI. Guhan

Aus der Bähe unserer Gräber sind zwei Gräberfelder des 6./7. Iahrhunderts
bekannt: Rur wenige hundert Meter ist das Grabfeld von Kirchheim, Heugewann
entfernt, von dem 150 Gräber im Kurpfälzischen Museum Heidelberg liegen". An-
ter der Mitte des Dorfes Kirchheim kamen ferner bei gelegentlichen Tiefbau-
arbeiten Gräber derselben Zeit zutage. Für unseren kleinen Friedhof von der
Reichsautobahn kommen aus zeitlichen Erwägungen als Benutzer die Alamannen
in Betracht. Die Lage der beiden späteren fränkischen Friedhöfe in nur geringer
Entfernung zeigt, daß die Franken nicht die vorhandenen alamannischen Grab-
stätten fortführten, sondern für ihre Toten neue Anlagen schufen.

Das alemannische Gräberfeld von Alertshausen

Von W.U. Guhan, Schaffhausen.

Die Gemeinde Merishausen (Kanton Schaffhausen) erstellte im vergangenen
Winter eine Kanalisationsanlage, welche Arbeiten in der Folge zur Beobachtung
eines alemannischen Begräbnisplatzes beim Dorfbrunnen unweit vom Gemeinde¬

haus führten (Abb. 1)^.
Die Möglichkeit, den Friedhof als Ganzes auszu-
graben, um Einblick in den Bevölkerungsaufbau der
zugehörigen Siedlung zu erhalten, bestand nicht; der
Kanalisationsgraben lag, und mit ihm auch der beob-
achtete Teil des Grabfeldes, in der befahrenen Straße.
Die Untersuchung? beschränkte sich somit darauf, die
Abgrenzung des Friedhofes in RS-Richtung festzu-
legen, die durch den Aushub angeschnittenen Gräber
an den beiden Grabenseiten noch etwas zu verfolgen
und, so weit es mit den fortschreitenden Bauarbeiten
ging, auszubeuten.
Die Gräber lagen als einfache Erdgrüber zwischen
1,20 und 2,10 na im Kalktrümmerwerk des dortigen
Bachschuttkegels eingebettet; die Stelle war strecken-
weise lehmig. Darüber folgten zwei frühere Straßen-
niveaus, von denen das obere nach einem Münzfund
dem Mittelalter zuzurechnen wäre. Während sich die
Skelette im, Grabfeld ordentlich erhalten hatten, wa-
ren die Cisenbeigaben stark verrostet. Es ist mit einer
Fortsetzung des Friedhofes in östlicher Richtung zu
rechnen. Alle Gräber waren geostet, jedoch lieh sich
unter den obwaltenden Umständen keine genauere
Richtung festlegen.

Abb. 1. Merishausen.
Situationsplan von Meris--
hausen (Kt. Schaffhausen), mit
den prähistorischen Fundstellen.



" E. Wagner, Fundstätten und Funde. II. Dd., 302 ff.
i Dank freundlicher Meldung von Gemeinderat Werner, Baureferent in Meris-
hausen.
? Die Ausgrabung unterstand der Leitung des Kantonalen Konservators, Museums-
direktor Dr. K. Sulzberger; der Verfasser möchte ihm für seine .Umsicht und wertvollen
Anregungen danken. — Die Funde sind in der Werkstatt des Museums zu Allerheiligen
(H. Wanner) konserviert worden.
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