Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 14.1938

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Besprechungen

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Besprechungen
Vorgeschichtliche Karte von Rottweil und Umgebung. 1 : 100 000. Herausgegeben vom
Rottweiler Geschichts- und Altertumsverein. 45. Vereinsgabe 1938. Karte und Te^t (auf
dem Umschlag). Preis RM. 150.
Vorgeschichtliche Karten sind ein äußerst nützliches Hilfsmittel, sich rasch über den
Fundbestand eines Gebiets zu orientieren. Vor allem braucht sie der Beamte, der von
Amts wegen im Gelände zu tun hat und als Forstmann, Straßenbauer, Verwaltungsmann
Bescheid wissen muh, was vorhanden ist. Aber auch der Heimatfreund wird feine Wan-
derungen durch den Besuch von Grabhügeln und Befestigungen, das Verfolgen alter Wege
ufw. inhaltvoller gestalten. So sind solche Karten schon früher angelegt und gedruckt wor-
den, von E. Paulus für Württemberg 1859, und E. Wagner hat schon 1883, also 25 Jahre
vor seinem Jnventarwerk, eine Fundkarte von Baden herausgebracht, die heute noch nütz-
lich ist, sich rasch zu orientieren. Und es ist eigentlich bedauerlich, daß Wagners Arbeit noch
keine Rachfolge gefunden hat. Wenn daher gleich nach dem Kriege der Plan gefaßt wurde,
Wagners „Fundstätten und Funde" neu zu bearbeiten, so sollte damit auch die Grund-
lage geschaffen werden für eine Karte. Freilich stößt man dabei auf Schwierigkeiten und
muß zwischen mehreren Möglichkeiten wählen. Heute ist die Zahl der Fundstellen derart
angewachsen, daß ihre vollständige Eintragung nur bei größeren Maßstäben (über
1 : 100 000) möglich ist, während Übersichtskarten sich auf einzelne Perioden beschränken
müssen, dann allerdings — wie die Kartenbeilagen zu dem dreibändigen Werk von Tößler-
Hertlein-Paret über die Römer in Württemberg — einen ungemein aufschlußreichen ge-
schichtlichen Einblick und überblick verschaffen. Auf den topographischen Karten 1 : 25 000
werden zwar auch die frühgeschichtlichen Denkmäler eingetragen, sie sind aber zu unhand-
lich für Wanderungen und zur raschen Orientierung. Daher sind schon seit längerer Zeit
den württembergischen Oberamtsbeschreibungen ümdruckausgaben der Karte 1 : 100 000 mit
farbigem Aufdruck der Denkmäler beigegeben. Für Baden ist dringend zu wünschen, daß
für das ganze Land derartige Karten bald erstellt werden, zunächst mit Eintragung der
oberirdisch sichtbaren Stellen.
Der Rottweiler Geschichts- und Altertumsverein hat nun die Karte des Oberamts
mit Fundeintragungen herausgebracht, auf der auch der benachbarte badische Anteil (u. a.
Villingen- Dürrheim) berücksichtigt ist. Die kartographischen Eintragungen beruhen auf der
Arbeit von Dr. H. Stoll, der im Anschluß an das obere Gäu (s. diese Zeitschrift III 1934
S. 132—135) auch den oberen Reckar und die Südwestalb abgegangen hat (leider konnte
das Manuskript noch nicht veröffentlicht werden). Infolgedessen ist ein sehr eindrückliches,
vollständiges Bild entstanden, das Lust macht, die Gegend daraufhin zu durchwandern.
Für den Wissenschaftler wie Heimatfreund ist gerade die Rottweiler Gegend darum so
aufschlußreich, weil hier auf engstem Raum, eben auf unserer Karte, alle geologischen For-
mationen vom Schwarzwald bis zur Albhochfläche vertreten sind; dort, im Duntsandstein,
überhaupt keine Siedlung, nur die gewaltige römische Heerstraße ins Kinzigtal, östlich
davor aber bis auf die Alb hinauf große Grabhügelgruppen bis über 900 in Höhe, be-
festigte Siedlungen bis über 1000 m! Klarer kann der Einfluß des Bodens (und nicht so
sehr des Klimas!) nicht gezeigt werden.
Die siedlungskunöliche Auswertung dieser Befunde bleibt der Arbeit von Stoll Vorbe-
halten. Die Einleitung versucht die Abfolge der Geschichte deutlich zu machen, — in dieser
Kürze ein schwieriges und unbefriedigendes Unternehmen. G. Kraft.
-b
Josef Steinhaufen, Archäologische Siedlungskunde des Trierer Landes. Herausgcgeben
vom Rheinischen Landesmufeum Trier. Trier 1936. XVI und 614 S., 25 Abb., 46 Tas. und
1 farbige Übersichtskarte. Preis: Geb. RM. 9.—.
Vier Jahre nach dem Erscheinen seiner Ortskunde Trier-Mettendorf (vgl. G. Kraft,
Bad.Fbr. III, 1933, 102 f.) legt Steinhaufen die dort bereits angekündigte (Vorwort
S. XII) Siedlungskunde des Trierer Landes vor, freilich nicht in Form von „zusammen-
fassenden Aufsätzen", die einen „Ergänzungsbanö" zur Ortskunöe darstellen sollten, son-
dern in einer weit darüber hinaus gewachsenen umfangreichen Monographie- die einen
durchaus selbständigen Wert neben der mehr örtlich gebundenen OrtsEunde besitzt und
unabhängig von ihr benutzt werden kann, wenn sie auch in ihrem Grundstock immer auf
dem dort vorgelegten Material beruht. Aus der Fülle des Gebotenen feien im folgenden
einige Punkte herausgegriffen.
Ein erstes einleitendes Kapitel (S. 3—52) behandelt die Geschichte der archäologischen
Landesaufnahme im Trierer Bezirk. Von allgemeinerem Interesse ist die jahrzehntelange
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