Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 14.1938

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Ein Alamannenfriedhof von der Reichsautobahn bei Heidelberg-Kirchheim

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legentlich brieflich vermutete? Ich hege diese Bedenken vor allem deshalb, weil die ganze
Gegend um die Drigachquelle bis jetzt vollständig fundleer war. Am Ostrand des Schwarz-
waldes ist scharf zu scheiden zwischen Grundgebirge und Buntsandstein einerseits und
Kalkgebiet andrerseits (Abb. 1). Benes Gebiet war bis tief ins Mittelalter ohne Siedlung,
und wer feine ungünstigen klimatischen und seine dürftigen Bodenverhältnisse kennt, wun-
dert sich darüber nicht. Die nächste sicher römische Siedlungsstelle bei Nordstetten nördlich
Billingen liegt auf Kalkgebiet und ist mindestens 15 km von der Drigachquelle entfernt.
Anders sind die Verhältnisse im Kalkgebiet. Wir kennen seit langem im Gebiet zwischen
Billingen und Rottweil eine stattliche Anzahl von Hallstatthügeln bis an die Duntsand-
steingrenze hin. Dazu kommen keltische Biereckschanzen und römische Billen. Man vergleiche
die eben erschienene vorgeschichtliche Karte von Rottweil und Umgebung, herausgegeben
vom Rottweiler Geschichts- und Altertumsverein 1938. Hier am Rande des altbesieöelten
Gebietes und des Schwarzwaldes, wo auch in den Tälern der mittlere Buntsandstein noch
ansteht, könnte ich mir die ursprüngliche Aufstellung eines solchen Grabsteins denken, etwa
im Zusammenhang mit dem großen römischen Gutshof von Fischbach, rund 10 km westlich
von Rottweil, 18 km östlich der Brigachquelle.

Lin Alamannenfriedhof von der Aeichsautobahn
bei Heidelberg-Kirchheim
Bon P. H. Stemmermann
An der Stelle, an welcher heute die Straße Kirchheim-Schwetzingen mit einer
Äberführung die Reichsautobahn Frankfurt-Bruchsal schneidet, kam am 6. Fe-
bruar 1936 beim Bau dieser Strecke ein Skelett zum Vorschein, das auch sofort der
Denkmalspflege gemeldet wurde. Da um diese Zeit jedoch der zuständige Denkmals-
pfleger, Herr Professor Wahle, mit seinem ganzen Institut auf Studienreise war
und da das rasche Fortschreiten der Bauarbeiten auf Entfernung der vorgeschicht-
lichen Reste drängte, barg Streckenbauleiter Rindsfüßer, der schon mehreren Gra-
bungen beigewohnt hatte, das Grab sachgemäß, nachdem er es vorher vermessen
und photographiert hatte. (Es erhielt später die Nr. 3.) Rindsfüßer brachte bei dieser
Gelegenheit noch in Erfahrung, daß ein weiteres Skelett in der Nacht vorher ge-
funden, aber zerstört und weggefahven worden war. Schließlich kam kurz nach Ber-
gung von Grab 3 ein weiteres Grab zutage, dem Rindsfüßer jedoch vorerst nur
Brust und Kopf des Skeletts entnahm, da der Rest unter dem Gleis einer Förder-
bahn lag, welches im Augenblick nicht entfernt werden konnte (später Grab 2).
Sofort nach der Heimkehr von der Studienreise wurde ich mit der Untersuchung
der Fundstelle beauftragt. Das rasche Fortschreiten der Arbeiten an der Autobahn
ließ die Zerstörung weiterer Gräber befürchten. Deshalb wurde trotz des gefrorenen
Bodens eine Grabung mit 10 Arbeitern eingeleitet. Zeitweilig stand mir noch der
Bezirkspfleger Dr. Schroff, Heidelberg, helfend zur Seite, was bei der außerordent-
lich schwierigen Bergungsarbeit sehr gelegen kam. Die Funde waren nämlich in dem
tief vereisten Boden fest eingefroren. Gelegentlich mußten mit dem Beil oder dem
Stemmeisen einzelne Erdschollen gelöst und an einem Feuer aufgetaut werden, um
die Funde freizubekommen. Wollte man bei dieser etwas merkwürdigen Grabungs-
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