Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 14.1938

Page: 91
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/badische_fundberichte1938/0095
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Besprechungen

91

Beecks Alemannenwerk und Paret bei Hertlein, Die Römer in Württemberg Dd. II?), so
ist dazu zu bemerken, dah im ehemaligen Limesgebiet, wo die Römerherrschast bereits im
3. Jahrhundert endet und die erste alemannische -Zeit noch einmal eine Rückkehr zu „vor-
geschichtlichen" Berhältnissen bedeutet, das Kontinuitätsproblem uns vor gänzlich andere
Einzelfragen stellt als im linksrheinischen Gebiet, das bei allem Riedergang der römi-
schen -Zivilisation und bei allem Wechsel der Bevölkerung sich doch eine gewisse römische
Tradition hat in die Rlerowingerzeit hinüberretten können.
-Zahlreiche gute Landschaftsausnahmen erläutern die Dnrstellung des Kapitels über
die Straßen sowie desjenigen über den Gang der Besiedlung aufs Beste, unterstützt durch
wirkungsvolle Kartenskizzen im Text. Die Übersichtskarte zum Schluß Hütte sich der weitab
von der Mosel wohnende Leser Wohl in einem etwas größeren Maßstab gewünscht; auch
wird er bedauern, dah ein wesentlicher Teil des besprochenen Gebietes, das westliche
Luxemburg, nicht mehr auf die Karte kam.
Das umfassende Heranziehen der benachbarten Disziplinen, die zahlreichen Literatur-
angaben und Referate über den Stand der verschiedenen Probleme, der ausführlich be-
lehrende Stil des erfahrenen Schulmannes, der sich nicht nur an den Fachmann, sondern
an jeden interessierten Heimatfreund wendet (Vorwort S. VI f.)> lassen das Werk weit
über den Rahmen einer Sieölungskunde des Trierer Landes hinauswachsen; bisweilen
kommt es einem Handbuch der Sieölungskunde für die linksrheinischen Lande schlechthin
gleich. Haben auch die linksrheinischen Verhältnisse niemals ohne weiteres in unserem
rechtsrheinischen Gebiet Geltung, so ist doch die methodische Darstellung des Stoffes so
ausgezeichnet, daß das Buch jedem Freund und tätigen Mitarbeiter auf dem Gebiete der
Siedluugskunde in Baden warm empfohlen werden kann, zumal dank der Förderung der
zuständigen Behörden der Rheinprovinz der Preis verhältnismäßig niedrig gehalten
werden konnte. R. Rier Haus.
Friedrich Dehn, Argeschichte von Starkenburg. 2. völlig umgearbeitete und stark ver-
mehrte Auflage.
Das reiche vorgeschichtliche Fundgebiet zwischen Rhein, Main und Neckar hat durch
Behn eine erneute Bearbeitung erfahren. In der überlieferten chronologischen Folge reiht
er die Epochen der Argeschichte aneinander, nachdem er kurz die Fragen der Landschaft
und der Besiedlungskontinuität gestreift hat, wobei ihm Schumachers Arbeiten auch im
Kartenbild dienten. An die altsteinzeitlichen Funde schließen sich die Kulturen der jün-
geren Steinzeit an, wobei Dehn leider die theoretisch gewonnenen und keineswegs be-
stätigten alten Gleichungen von Kulturen und Wirtschaftsformen zu stark schematisiert.
Die Schnurkeramiker waren auf keinen Fall hauptamtliche Jäg-er.
Ebenso glauben wir ihm nicht, wenn er die Knochenschnitzerei von Eschollbrücken als
stilisierte menschliche Gestalt deutet. Vor allem aber befremdet es, daß er die Germanen,
Kelten und Illyrier Rassen nennt, während sie doch Völker sind; ein Fehler, der einem
Fachgenossen 1936 nicht mehr passieren sollte. Auch hat die Forschung nicht das Ziel, aus
„Vorgeschichte Geschichte" zu machen, sondern aus den Ergebnissen der Vorgeschichtsfor-
schung die geschichtlichen Ereignisse zu erkennen. Das ist vor allem darstellerisch ungemein
schwer, dürfen wir doch dabei nicht die materiellen Quellen unserer Erkenntnis zum Haupt-
gegenstand machen; wir dürfen nicht vergessen, daß unsere Zeit nicht die von vergangener
Generation her überlieferte entwicklungs- und formengeschichtliche, sondern eine historische
Fragestellung hat. Anter diesem Gesichtswinkel hätte man gern solchen Funden wie dem
Mithrasaltar von Dieburg, den Jupitergigantensäulen, überhaupt der römischen Grenz-
auseinandersetzung mehr geschichtliche als kulturgeschichtliche Bearbeitung gewünscht. Die
germanischen Waffen in Gräbern wurden nicht des Platzmangels wegen, sondern aus
kultischen Gründen verbogen.
Eine erfreulich große Anzahl von Abbildungen begleitet den kurzen, mit Formen-
kunde überladenen Text, der einige Hinweise auf die Bilder hätte gebrauchen können.
Gegenüber der früheren Auflage sind leider die Bilder römischer Funde vermindert. Wenn
auch bei der historischen Wertung der Schwerpunkt im Germanischen liegt, so ist doch zur
Kenntnis der Art der Auseinandersetzung eine möglichst genaue Äbersicht über das Rö-
mische erwünscht; und hier liegt ein reicher und fesselnder Fundstoff vor.
Die vielen guten Abbildungen, die Schrifttumshinweise machen das kleine Büchlein
unentbehrlich, sein niedriger Preis wird seiner Verbreitung entgegenkommen.
H. Agde.
loading ...