Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 14.1938

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Fundschau

Zundschau 19Z7.
Altsteinzeit.
In seiner Arbeit über „die Vereisungskurve" (S. 69)^ ist es Pros. W. Sörgel
u. a. gelungen, das Alter des Anterkiefers von Mauer (homo heidelbergensis), der
in die Zwischenzeit zwischen die Eiszeiten Günz II und Mindel I gehört, auf
530000 Iahre zu bestimmen. Im Vergleich damit sind die Funde von Murg und
Whhlen wesentlich jünger, da sie nach den Untersuchungen von L. Erb? einer spä-
teren Stufe der Rißeiszeit zugehören, also etwa 150 000 Iahre zurückliegen. In
Murg ist vor allem auf den glücklichen Fund zweier Faustkeile in gesicherter Schicht
und von klingenartigen Geräten hinzuweisen, der endliche Erfolg jahrelanger Be-
mühungen; über Whhlen und seine besondere Bedeutung kann erst im nächsten Iahr
Näheres berichtet werden. Die Emmendinger Ablagerungen stammen aus dem
Iüngeren Löh, also aus der Würmeiszeit, deren kräftiges Einsehen 70 000 Iahre
zurückliegt; die älteren Funde von Mammutknochen machen die Anwesenheit und
Tätigkeit des Eiszeitjägers wahrscheinlich, doch fehlen irgendwelche Werkzeuge aus
Feuerstein, und die Notiz Steinmann's über den hier erstmals erwähnten Schlag-
stein vermag die Zweifel nicht völlig zu entkräftend
Emmendingen. Im Museum für Urgeschichte liegt ein Schlagstein aus Schwarz-
waldgeröll (wahrscheinlich Granit), 11,5:10,1:8,2 cm messend, dabei eine von Geheimrat
Steinmann selbst geschriebene Etikette: „Vola oder Reibstein, gefunden mit Knochen von
Mammuth, Rhinozeros, Pferd, viel Löhkonchhlien und Holzkohle in der Rekurrenzzone des
Iüngeren Löß bei der Sonntag'schen Papierfabrik Emmendingen.
gez. Steinmann 97. Emmendingen."
Trotz eifrigen Rachsuchens ließen sich die erwähnten Knochen weder im Museum für
Urgeschichte noch im Geologischen Institut auffinden. Auch fehlt in den Veröffentlichungen
Steinmanns jede Erwähnung des Fundes. Die im Geologischen Institut befindlichen Kno-
chen eiszeitlicher Tiere von Emmendingen stammen von älteren Funden ü Die Lage des
Steines an der Vasis des Iüngeren Lößes würde gut für Mousterien passen, an das Stein-
mann offenbar gedacht hat („Vola"); aber daß nicht ein einziger Feuerstein mitgefunden
wurde, macht bedenklich. Ebenso wenig ist aber wahrscheinlich zu machen, daß das Stück
einer jungsteinzeitlichen oder späteren Ansiedlung zugehört, die auf dem Löß lag, und
beim Abbau heruntergefallen war, denn dann hätten sich Scherben einstellen müssen. Vor-
derhand ist also das Stück als „Schlagstein" unbestimmter Zeitstellung zu führen.

1 W. Sörgel, Die Vereisungskurve, 1937.
2 Mitt. Vad. Geol. Landesanstalt 11, 6, 1936. L. Erb, Zur Stratigraphie des mitt-
leren und jüngeren Diluviums in Südwestdeukschland und dem schweizer. Grenzgebiet S. 30.
3 Naturwissenschaftliche Arbeiten, die die Urgeschichte streifen:
Erb, L., Die Flugsanddünen von Salem und ihr Alter. Mitteilungen des Vad. Landesver.
für Raturkd, und Naturschutz in Frbg. Neue Folge Band 4, Heft 15/16, S. 201—204,
mit 1 Abb.
— Der Zeitpunkt der Wutachablenkung und die Parallelisierung der würmeiszeitlichen
Stadien des Schwarzwaldes mit denen des Rheingletschers. Mitteilg. d. Bad. Lands-
vereins f. Naturkd. und Naturschutz in Frbg. N.F. Band 3, Heft 22, S. 314—319.
Gersbach, E., Neue geologische Erkenntnisse aus dem Vezirk Säckingen. Vom Iura zum
Schwarzwald, N.F. 12, 1937, 3f.
Lais, R., Beiträge zur Kenntnis der badischen Molluskenfauna. IV. Aber die Verbrei-
terung von Lartetia rhenana m. Mitteilg. d. Bad. Landesver. f. Naturkd. u. Natur-
schutz, Freiburg. N.F., Band 3, Heft 21, S. 291-297.
Rothschild, I., Zur Geschichte der Moore und Wälder im Nordteil der Oberrheinischen
Tiefebene. Beihefte zum Bot. Centralbl. Bd. ÜIV (1935) Abt.K.
s. W.Deecke in „Beiträge zur naturwissenschaftl. Erforschung Badens", Heft 8, 1931
S. 131.
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