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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 14.1938

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https://doi.org/10.11588/diglit.42535#0047

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Römische Bäder in Baden

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feuer diente, aber später zugemauert wurde. Das Caldarium hatte die beiden üblichen
Wannen: rechts unterheizt den Alveus für das Heißwasserbad (e') und links (e")
die Wanne für das kalte Wasser, die das Labrum ersetzte. Raum 6 enthielt die
Hauptfeuerung, wenn auch bei der Ausgrabung durch spätere Ambauten die Ver-
hältnisse nicht mehr klar waren. Der Mauerwürfel g diente als Anterbau für einen
Kaltwasserkessel.
Eine gute Vorstellung von dem entwickelten Typ eines Kastellbades gibt das
sorgfältig untersuchte und im Limeswerk veröffentlichte Bad von Stockstadt a. M.
(Bayern). Wir sehen hier schon die Dreinischenform des Caldariums und in Ver-
bindung dann: die reichlichere Verwendung von Doppelapsiden, wodurch der Bau-
körper des Bades stärker gegliedert wurde, beides Erscheinungen, die bei den Bä-
dern hadrianischer und nachhadrianischer Zeit häufiger werden.
Hl. Die Heilbäder Badenweiler und Baden-Baden.
Außer den Kastellbädern sind in unserm Lande öffentliche Bäder bisher nicht
sreigelegt. Es fehlen vor allem solche in den größeren bürgerlichen Riederlassun-
gen des Landes wie etwa Ladenburg oder Heidelberg. Am so stattlicher sind die
Reste der Heilbäder Badenweiler und Baden-Baden. Sie zeigen, daß unser Land
den Namen, den ihm die verwickelten Pfade mittelalterlicher Territorialpolitik ein-
gebracht. nicht zu Anrecht trägt. Badenweiler ist die am besten erhaltene und ge-
schlossenste der von den Römern benutzten Heilthermen Westdeutschlands. 1784 durch
die Fürsorge des badischen Ministers von Edelsheim sorgfältig ausgegraben und
mit einem Schutzdach versehen, war die Ruine doch der Forschung in vielen Punkten
ein Rätsel geblieben. Auf Veranlassung von E. Fabricius, der sich seit langem mit
ihr beschäftigte, wurde von der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen
Archäologischen Instituts Hermann Mhlius mit ihrer eingehenden Antersuchung
betraut, die mit Mitteln des badischen Anterrichtsministeriums und des Instituts
durchgesührt wurde. Ihr Ergebnis liegt nunmehr in einem stattlichen Bande vor:
Hermann Mhlius, Die römischen Heilthermen von Badenweiler, Berlin
und Leipzig 1936, Walter de Gruhter.
In eindringender Analyse der erhaltenen Baureste geht Mhlius allen Fragen
nach, die diese dem forschenden Auge stellen und enthüllt uns, unterstützt durch ein
reiches Abbildungs- und Planmaterial, die Geschichte des Baues. Fabricius
umreiht in einem einleitenden Kapitel die geschichtlichen Grundlagen, auf denen
der Bau erstehen konnte und steuert den wertvollen Edelsheimschen Grabungs-
bericht bei. Schleiermacher behandelt die spärlichen Cinzelfunde. In einem
kleinen Führer:
Hermann Mhlius, Badenweilers Kurbad zu römischer Zeit, herausgegeben
von der Kurverwaltung Badenweiler und der Verlagsanstalt Poppen und
Ortmann, Freiburg i. Br. 1937)
faßt Mhlius die Ergebnisse seiner Antersuchung in gemeinverständlicher Weise
knapp zusammen.
Als Heilbad, dessen Aufgabe es ist, die Heilkraft der warmen Thermen aus-
zunutzen, nimmt Badenweiler, wie alle Heilbäder eine gewisse Sonderstellung ein,
ohne von der allgemeinen Entwicklung des römischen Badewesens ganz unbeein-
flußt zu bleiben. Während heute in den Kurbädern das Einzelbad die übliche
Einrichtung ist, war es in der Antike das Gemeinschafts bad, dessen Heilwir-
kung günstiger ist, weil die natürliche Wirkung der Therme nicht beeinträchtigt
wurde durch zu lange Rohrleitungen und zu geringen Wasserdruck. Demgemäß
 
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