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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 14.1938

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https://doi.org/10.11588/diglit.42535#0071

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Ein einheimischer Bildstein von der Brigachquelle aus römischer Zeit

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Relief umsäumende Rand ist trotz der Beschädigung noch erhalten. Er schneidet die Ecke
hier ab und folgt dann der rechten Kante bis unterhalb des rechten Kopfes, wo er aufhört.
Auffallenderweise ist die linke Hälfte des Reliefs viel tiefer herausgearbeitet als die rechte,
die sehr flach ist. Die übrigen Flächen des Blockes sind heute so roh bearbeitet, daß das
Relies, so wie es heute ist, nicht frei gestanden haben kann, sondern irgendwo eingelassen
gewesen sein muh. Es muh natürlich fraglich bleiben, wieweit der Block für die Zwecke
des Küchengewölbes nachträglich bearbeitet wurde." (P. Revellio.)
Im Folgenden geben wir zunächst die Darstellung und Deutung von Professor
E. Krüger, Trier, dem die Einführung des Steins in die wissenschaftliche Diskussion
verdankt wird; daran schließt sich die Stellungnahme von P. Revellio an, der freund-
licherweise auch die oben abgedruckte Zustandsbeschreibung beigesteuert hat. Wenn
so sür die Erörterung des Steins mehr Raum zur Verfügung gestellt wird, als sonst
in unserer Zeitschrift üblich ist, so genügt zur Rechtfertigung ein Hinweis auf den
Fundort und die Entdeckungsgeschichte, vor allem aber auf den Inhalt der Dar-
stellung, besonders die Tiere. Sicherlich ist das ein unrömisches Element, sicherlich
steht es im Zusammenhang mit dem Schwarzwald und seiner Tierwelt, die für die
frühen Bewohner in enger, wesenhafter Verbindung mit den Gottheiten stand, mag
nun der Stein ursprünglich an der Brigachquelle als Teil eines Quellheiligtums ge-
standen haben oder draußen im bewohnten und bebauten Kalkgebiet.
II. Ein keltisches Heiligtum an der Brigachquelle.
Bon E. Krüger, Trier.
Geheimrat Prof. Dr. E. Fabricius in Freiburg i. Br. zur Voll-
endung des 8O. Lebensjahres am 6. September 1937 vom Landes-
museum Trier gewidmet.
Auf der archäologischen Äberfichtskarte der römischen Funde bei Wagner
(Fundstätten und Funde aus Baden !, Blatt II) dehnt sich im mittleren Schwarz-
wald um Triberg herum ein weites Gebiet aus, das ganz leer von römischen Funden
ist. Von dort her dringt nun jetzt endlich auch in weitere wissenschaftliche Kreise die
Nachricht von einem höchst bedeutungsvollen Fund, der schon im Iahre 1898 etwa
IO Irin südöstlich von Triberg unmittelbar an der Quelle der Brigach zum Vorschein
gekommen und im ersten Teil beschrieben ist.
Cs bestanden zunächst Zweifel, welcher Zeit das beim ersten Anblick etwas
rätselhaft erscheinende Relief zuzuweisen sei, doch haben die befragten Fachgenosfen
schließlich Wohl ausnahmslos keltisch-römischen Ursprung für das Wahrscheinlichste
gehalten. Eine von dem früh verstorbenen Museumsdirektor Wingenroth in Frei-
bürg geplante Veröffentlichung ist durch den Kriegsausbruch verhindert worden,
und danach scheint der ganze Vorfall in Vergessenheit geraten zu sein. Vor einiger
Zeit ist mir von verschiedenen Selten das Photo des Reliefs mit der Bitte um Be-
urteilung vorgelegt worden. Ich habe diesen Anfragen sogleich gern entsprochen;
denn daß es sich hier um ein hochwichtiges Zeugnis für einen gallo-römischen Quel-
lenkult handelt, ergab sich gleich bei den ersten Vergleichungen. Das einheimische
Element ist in dieser eigenartigen Darstellung so stark, daß dem Bildwerk für das
Verständnis der Quellenkulte, die im Gallorömischen eine so große Rolle spielen,
eine sehr erhebliche Bedeutung zukommt. Das Recht der Erstveröffentlichung hätte
Prof. Revellio zugestanden. Dieser hat entgegenkommenderweise die erste Behand-
lung an mich abgetreten und mich für meine Arbeit mit wertvollen Photographien
des Reliefs unterstützt, wofür ich ihm zu größtem Dank verpflichtet bin. Seine Deu-
tung des Reliefs hat er hinzugefügt. Obwohl mir das Relief und seine Fundstelle bis
 
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