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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 14.1938

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https://doi.org/10.11588/diglit.42535#0073

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Ein einheimischer Vilöftein von öer Brigachquelle aus römischer Zeit

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Zusammenhänge, vor allem auch die Bedingungen öer Örtlichkeit, die doch gerade
hier sehr maßgebend sind. Die beiden Elemente aber, aus denen sich die Darstellung
unseres Beliess zusammensetzt, drei Einzelköpse und drei Tierbilder, sind Dinge, die
mich zwingend bestimmen, die Deutung nur im Bereiche einheimischer Religions-
übung zu suchen. Sehr entscheidend ist dabei der breite Raum, der in der Bild-
anordnung den 3 Tieren eingeräumt ist.
Für eine Verehrung der Windgötter außerhalb des Mithraskultes kenne ich auf
gallorömischem Boden nur ein einziges Beispiel, einen Altar mit Reliefs und In-
schrift aus Nimes ' mit einer Weihung an Vulkan und die Windgötter. Von diesen
sind zwei als geflügelte Köpfe an beiden Seiten des Altars öargestellt, natürlich
auch beide männlich. Auf dem Brigach-Relief fehlen die Flügel oder sind wenigstens
absolut nicht zu erkennen, - der linke Kopf scheint männlich, der rechte nach dem
Nackenhaar und der Gesamtbildung Wohl eher weiblich. Alles dies macht die Deu-
tung auf Windgötter wenig wahrscheinlich. Die aufgeblasenen Backen wird man
deshalb lieber dem mangelnden Geschick des Steinmetzen zuschreiben.
Das Hauptstück ist der in Vorderansicht gegebene Kopf, der in der Mitte auf
dem Kandelaber steht. Ihm ist der ihm zugewandte Vogel zuzuteilen. Wenn unsere
Deutung der übrigen Darstellung das Richtige trifft, kann dieser Kopf niemand
anders darstellen als die Quellgöttin selbst, die Ortsgöttin der Brigachquelle. Man
darf auch ihr einen antiken Namen geben: Brigia. Holder hat mit Recht die
beiden Donauzwillingsbäche Brege und Brigach in seinen Altkeltischen Sprach-
schatz ausgenommen 4. Von dem keltischen Sprachstamm brig Berg, Hügel, Höhe
abgeleitet gibt es in Frankreich den Flußnamen Brigia, heute la Bratzew So
kann also auch hier die keltische Vorstufe des späteren deutschen Flußnamens Bri -
gaha — Brigach gelautet haben. Der Vogel bei einer solchen Gottheit erschien
zunächst als neu und ungewöhnlich. Aber dieses Begleittier bei einem Quellenkult
ist längst, und zwar hier bei uns in Trier bekannt. Anser bedeutendstes Trierer
Heiligtum ist der Tempel des Treverer-Hauptgottes Lenus Mars. Von diesem ein-
heimischen Kriegsgott weiß man aus einer interessanten zweisprachigen Vers-
inschrift seit langem, daß er auch als Heilgott Verehrung genossen hat«. So war
es nach dieser Seite keine Äberraschung, als im Iahre 1920 neben dem Lenus-
tempel in Trier ein Quellheiligtum der Tulsigiae, der Quellschützerinnen, entdeckt
wurde, die dort an dem Wasser einer noch heute im Volksglauben als heilkräftig
geltenden Quelle zusammen mit dem Lenus verehrt worden sind. Es wurden da-
mals zahlreiche Inschriften und Statuetten von Kindern gefunden, die in dem
Heiligtum aufgestellt gewesen waren, und darunter sind sechs, bei denen das Kind
einen Vogel im Arm oder auf dem Arm trägt?. Das ist der heilige Vogel der
Quellgottheit, dem wir jetzt auch an der Brigachquelle begegnen. Auch anderswo
wird man nunmehr zu prüfen haben, wenn Darstellungen von Vögeln bei Quell-
heiligtümern auftreten, ob man nicht dieselbe Beziehung darin zu erkennen hat;
vergl. z. B. die Eule von Bad Cannstatts das Relief eines Vogels mit Früchten
im Schnabel in Wiesbaden o und die Statuette eines Vogels in Luxeml^ u. a.
Auch in dem frühkeltischen Heiligtum von Roquepertuse bei Velaux, 25 tzm nördlich
3 L8peranäieu, lZLsreliels I Nr. 433, LIRXII 3135.
i Nachträge zu I, Sp. 940.
'' Holder I, Sp. 542.
§ Lehner, Steindenkmäler in Bonn Nr. 242.
? Trierer Jahresberichte XIII S. 34 und S. 51, dazu Taf. IX 8 1 und 4.
s Haug-Sixt, Bildwerke? S. 389 Nr. 539.
s Lsxeranclieu, (Oermanie Romaine Nr. 22.
io Hgperanäieu, 8asreliek8 VII Nr. 5348.
 
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