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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 14.1938

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https://doi.org/10.11588/diglit.42535#0094

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so

Besprechungen

fruchtbare, nur auf privater Initiative begeisterter Liebhaber beruhende Arbeit des äl-
testen deutschen Geschichtsvereins, der „Gesellschaft für nützliche Forschungen" in Trier.
Begründet 1801 während der französischen Herrschaft und anfänglich durchaus an dem
rationalistischen Nützlichkeitsstreben der französischen Aufklärung orientiert — der Name
der Gesellschaft erinnert noch heute daran —, wuchs sie bald nach dem Übergang Triers
an Preußen in den Aufgabenkreis der deutschen, im Geiste der Romantik wirkenden Ge-
schichtsvereine hinein. Ihre Blütezeit erlebte sie in den 30er bis 50er Jahren. Erst 1877,
mit der Gründung des Trierer Provinzialmuseums, begann in Trier die staatliche Ob-
sorge für die geschichtlichen Denkmäler. Schon frühzeitig, im Jahre 1818, entstand in der
Gesellschaft der Plan einer „topographischen und statistischen Beschreibung des Regie-
rungsbezirkes Trier", über dessen nicht immer glatt verlaufene Verwirklichung St. bis zum
Zeitpunkt des Erscheinens der „Ortskunde" berichtet. Im ganzen legt diese Übersicht über
die Entwicklung der Landesaufnahme ein rühmliches Zeugnis ab von dem Wirken der
Gesellschaft, die u. a. auch neben der Pflege der unzähligen römischen Denkmäler ihre
besondere Aufmerksamkeit schon in den 50er Jahren den viel unscheinbareren vorgeschicht-
lichen Denkmälern zuwandte.
Auf ein zweites Kapitel, in dem (S. 53—85) die natürlichen Grundlagen der Be-
siedlung vorwiegend auf Grund der bereits vorhandenen Literatur dargestellt werden,
folgt als Nachtrag zur „Ortskunde" eine ausführliche Beschreibung der Straßenzüge im
Bereich des Kartenblattes Trier-Niettendorf (S. 81—197). Beherzigenswert und jedem
Straßenforscher zu eingehendstem Studium empfohlen feien die methodischen Vorbemer-
kungen, aus denen wir besonders die bereits von K. Schumacher herrührende Mahnung
hervorheben wollen, das Straßennetz einer Landschaft geschichtlich zu verstehen und, aus-
gehend von der Erforschung des neuzeitlichen und mittelalterlichen Straßennetzes, all-
mählich nach rückwärts zur Kenntnis der römischen Straßen und vorgeschichtlichen Wege
fortzuschreiten (S. 107f.).
Den Kern des Buches bildet das vierte Kapitel (S. 199—590): „Das Bild der Be-
siedlung". Verhältnismäßig kurz wird die vorgeschichtliche Zeit behandelt, bei deren Dar-
stellung St. die übliche Periodisierung der Metallzeiten vorteilhafterweise fallen läßt zu-
gunsten der im Trierer Lande vorhandenen Kulturgruppen (etwa „Mehrener Kreis" für
die Hoch- und Spät-Hallstattzeit usw.). Die Wehranlagen werden im Anschluß an die vor-
geschichtliche Zeit im Zusammenhang besprochen: hingewiesen sei auf die Beobachtungen
(S. 271 ff.) über die gelegentliche Wiederbenutzung vorgeschichtlicher „Burgen" in spät-
römischer und mittelalterlicher Zeit. — Die ausführliche Darlegung des Standes der
Trevererfrage leitet über zur römischen Zeit, mit der wir offensichtlich in des Verfassers
eigenstes Arbeitsgebiet kommen. Griff schon bislang die Darstellung oft genug über den
Bereich des Kartenblattes Trier-Mettendorf hinaus, um die geographische Einheit und
Geschlossenheit des „Trierer Raumes" darzutun, der durch die moderne Grenzziehung in
einen deutschen und einen luxemburgischen Teil zerfällt (vgl. Vorwort S. V), so erweitert
sich das Werk jetzt zu einer wahren Siedlungskunde etwa der heute deutschsprachigen Ge-
biete der alten römischen Provinz Belgien. Die Besprechung des riesigen Materials er-
folgt geordnet nach den einzelnen Zeitstusen (Frühzeit der römischen Herrschaft, die bür-
gerliche Blüte in der mittleren Kaiserzeit usw. bis zum Ausgang der Römerherrschaft):
innerhalb dieser wird zuerst die Stadt Trier behandelt, dann das umliegende Land. Anter
ausgiebiger Heranziehung eines reichen Parallelmaterials aus den benachbarten römi-
schen Gebieten und unter Verwertung zahlreicher Schriftstellernachrichten entwirft St. aus
unzähligen Einzelzügen ein eindrucksvolles, anschauliches Bild von der Besiedlung des
Trierer Landes im Laufe der über 400jährigen römischen Herrschaft. Auf Einzelheiten
muß hier verzichtet werden. Es ist das beruhigte Bild einer reich entwickelten Kulturland-
schaft, weit ab von der Grenze und ihrem militärischen Leben, im Gegensatz zu unserm
rechtsrheinischen Gebiet, wo das militärische Element in der Römerzeit in so starkem
Maße vorherrscht.
Ähnlich umfassend wird die Zeit der niedergehenden Römerherrschaft, die letzte Blüte
Triers als Residenz der Konstantine und endlich die Germanisierung des Trierer Landes
besprochen. Neben den archäologischen Funden und den Schriftstellernotizcn nehmen aus-
führliche Referate aus den benachbarten Disziplinen der Orts- und Flurnamenforschung,
Sprachwissenschaft usw. einen weiten Platz ein. Die verschiedenen Probleme der Kon-
tinuität (allgemeine geographische Kontinuität des fruchtbaren Ackerlandes bzw. genaue
topographische Kontinuität) werden mit vorsichtiger Zurückhaltung des Anteils bespro-
chen. Wenn St. (S. 525 ff. u. 533 ff.) für diese Fragen, die mangels gut ausgegrabener
merowingischer Friedhöfe im Trierer Land vorerst noch kaum geklärt werden können, des
öfteren wenn auch mit großer Vorsicht Parallelen aus Württemberg heranzieht (aus
 
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