Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 10.1902

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H. LEDERER UND E. SCHAÜDT—BERLIN.

Bismarck-Denkmal für Hamburg (I. Preis).

Zeitgemäße Befrachtungen zum ßamburger Wettbewerb.

IV ~\och kaum je hat eine Denkmals - Kon-
X \| kurrenz so sehr die Träger des
deutschen Kultur - Lebens beschäftigt, als
diese für das Hamburger Bismarck - Monu-
ment. In diesen Kreisen war man sonst
längst gewöhnt, auf derartige Veranstaltungen
nicht mehr zu achten. Man wusste von
vornherein, dass irgend einer der bekannten
Marmor- oder Erz-Professoren als »Sieger«
daraus hervorgehen würde — welcher, das
war dann wirklich ziemlich gleichgültig. Es
war auch gar nicht zu hoffen, dass es in
Hamburg anders gehen würde. Die all-
gemeine Teilnahme der Höchstgebildeten,
auf die es ankommt, wurde erst wach, als
die Entscheidung bekannt wurde. Unsere
Leser finden hier einen Bericht, der ihnen
in Verbindung mit den Abbildungen dar-
thun wird, warum dieses Ergebnis solch
aussergewöhnliche Anteilnahme finden musste.
Das beruht auf drei Thatsachen: i) darauf,
dass die eingelaufenen Projekte zeigen, über
welch eine Summe von plastischem Können,
architektonischer Fantasie, von monumen-

1902. VII. 7.

talem Empfinden und hochfliegender Thaten-
lust die jüngeren Künstler gebieten, welche
bisher bei den offiziellen Monumental-Auf-
gaben zumeist übergangen wurden; 2) darauf,
dass eine deutsche Jury einmal unzweifelhaft
künstlerisch gewählt hat, gleichviel, ob sie
in der Preis-Zuerkennung die absolut richtige
Reihenfolge getroffen habe oder nicht; und
3) dass ein aus rein-künstlerischen Absichten
hervorgegangenes, von einer Jury nach rein-
künstlerischen Gesichtspunkten ausgewähltes
Denkmal in einer deutschen Stadt thatsäch-
lich ausgeführt werden wird, ja dass der
oberste Vertreter eines deutschen Bundes-
staates, der regierende Bürgermeister der
Freien und Hanse-Stadt Hamburg, ein solches
Ergebnis mit grosser Freude begrüsst und
sich dabei der Zustimmung der Machthaber
der Republik sicher wissen konnte. »Zu
meiner grössten Freude darf ich es aus-
sprechen«, sagte Se. Magnificenz, »dass
einem Entwürfe einstimmig der erste Preis
zuerkannt worden ist, welcher, abweichend
von den herkömmlichen Bismarck - Stand-
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