Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 10.1902

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Das neue KunSf-Prinzip in der
modernen Frauen ■ Kleidung.
Von Prof, Benry uan de Pelde,

ir gereicht es zu be-
sonderer Freude, dass
der Herausgeber die-
ser Zeitschrift, Herr
Alexander Koch, mich
aufgefordert hat, den
Text für dieses Heft,
das hauptsächlich der
Toilette gewidmet ist,
zu schreiben. Wieviel Irriges ist schon über
diesen Gegenstand gesagt worden, seitdem
wir die Frauen auf die Verantwortlichkeit
aufmerksam gemacht haben, die sie in diesem
Gebiet auf sich nehmen, wo sie, vor allem
durch ihre Unterwürfigkeit und dann durch
andere Umstände, von der Rolle der
Herrscherin zu der einer Untergebenen
gesunken sind.

Hier ist mir Gelegenheit geboten, einige
Irrtümer richtig zu stellen, und eine kurze,
historische Übersicht dieser Bewegung zu
geben. Gern ergreife ich die Gelegenheit,
beides zu thun.

Unnatürlich schnell verwischt sich der
Eindruck von Thatsachen und Daten; diese
Schwachheit habe ich bei Abfassung des
ersten Kapitels meines Buches »Die Renais-
sance im Kunstgewerbe« fühlen können, in
dem ich versuchte, Thatsachen und Daten fest-
zuhalten, die nur 10 Jahre zurücklagen; und
schon schien ein dichter Nebel meinem

Blicke Ereignisse und Personen zu ver-
hüllen, welche in dieser Renaissance der
industriellen Künste eine Rolle gespielt
haben. Wird es ebenso sein bei den That-
sachen, welche sich zum Zwecke einer künst-
lerischen Hebung der Toilette vollzogen und
wird man auch wagen, zu versuchen, uns unsere
Rolle als erste Anreger streitig zu machen?

Die Thatsachen datieren dieses Mal erst
seit dem Jahre 1890, und die Dokumente,
welche dieselben feststellen, sind nicht sehr
zahlreich. —- Im Frühjahr des Jahres 1900
fasste der Direktor des Crefelder Museums,
Herr Dr. Deneken, den Gedanken einer
Ausstellung von Toiletten, die nach Skizzen
von Künstlern ausgeführt werden sollten,
und er hatte den Mut, diese Idee zu ver-
wirklichen. Er ergriff die Gelegenheit, die
sich ihm durch eine allgemeine Ausstellung
von Bekleidungs-Gegenständen bot, welche
von den vereinigten deutschen Schneidern
um diese Zeit in Crefeld bei Gelegenheit
des »Schneider-Tages« veranstaltet wurde.

Deneken wandte sich an alle Künstler,
die sich, seines Wissens nach, mit dem
Entwurf von Frauen-Toiletten befasst hatten;
und diese folgten bereitwillig seinem Ruf:
Alfred Mohrbutter, Frau Margarethe
von Brauchitsch, Richard Riemerschmid,
Bernhard Pankok, Professor F. A. Krüger,
Curt Hermann, Direktor Paul Schulze aus

1902. VIII. 1.
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