Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 10.1902

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Dr. Heinrich Pudor—Berlin.

neues nordisches Porzellan,

Der kgl. dänischen Porzellan-Manufaktur
kann man den Ruhm nicht streitig
machen, dass sie mit die ersten Werke
der neuen Renaissance des europäischen
Kunstgewerbes geschaffen hat. Als sie im
Jahre 1878 in Paris ausstellte, wirkten ihre
delikaten Porzellane, für die damals das
matte Blau typisch war, wie eine Offenbarung.
Die 1889 er Ausstellung brachte eine
Steigerung und bis heute hat die Aufwärts-
Bewegung in der Entwickelung der dänischen
Manufaktur angehalten. Ihre jüngsten Er-
zeugnisse sind Nachbildungen von Tieren,
wie sie hier in Abbildungen vor Augen
geführt werden. Die Versuche gehen in
dieser Richtung bis auf das Jahr 1885 zurück,
in welchem zuerst das Känguruh in Por-
zellan nachgebildet wurde. Der Beifall, den
dieses erste Stück fand, gab Anlass zu
weiteren Versuchen und besonders in jüngster
Zeit hat eine mächtige Entwickelung ein-
gesetzt. Und es kann nicht geleugnet werden,
dass der Zeitgeist dieser
Kunst - Richtung ent-
gegenkommt: auf allen
Gebieten der Kunst hat
das Tier seit einer Reihe
v°n Jahren begonnen,
eine bedeutende Rolle
zu spielen. In der Litte-
ratur haben besonders

E. NIELSEN.

Kipling und Maeterlinck Meisterwerke der
Beobachtung intimen Tier-Lebens geschaffen,
in der Malerei Bruno Liljefors, in der
Plastik Gaul, um nur Beispiele anzuführen:
Man kann nicht sagen, dass es unserer
Zeit vorbehalten gewesen wäre, das Tier
in der Kunst zu verwerten, denn sowohl
die Kunst der alten Griechen, wie die der
Renaissance haben das Tier in den Bereich
der künstlerischen Darstellung einbezogen,
aber einmal war diese Verwertung des
Tieres eine mehr gelegentliche und anderer-
seits kamen für jene Zeiten im allgemeinen
nur die Haus-Tiere, besonders Pferd und
Hund, in Betracht. Den ganzen Reichtum
des Tier-Lebens für die Kunst zu ver-
werten, gerade dem Menschen fernstehende
Tiere zur künstlerischen Nachbildung heran-
zuziehen , und vor allem die intimen Seiten
des Tier - Lebens in Berücksichtigung zu
ziehen, blieb in der That unserer Zeit vor-
behalten. Vielleicht ist dabei die Entwickelung
der Naturwissenschaften
und die Einsicht, dass
der Mensch nur graduell
vom Tier-Genus unter-
schieden ist, nicht ohne
Einfluss geblieben. Auch
eine gewisse Vorliebe
unserer Zeit für Mysti-
Porzellan-Figur. zismus hat mitgewirkt.

1802. VIII. 4.
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