Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 11.1902

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Ungarisches Kunstgewerbe in Turin

UngarHches Kuitff*Sewerbe In üurin.

In der ungarischen Abteilung treten als
führende kunstgewerbliche Persönlich-
keiten vorzugsweise zwei Männer hervor:
Professor Paul Horti und Eduard Wiegand.
— Horti vertritt mehr den aus einer An-
passung national-ungarischen Empfindens an
englische Vorbilder entspringenden Karakter,
während Wiegand als der erfolgreichste Ver-
treter des Wiener »Sezessionismus« in Buda-
pest gelten kann. Ihn zeichnet eine gewisse
ruhige, einfache Zweckmässigkeit und Logik
in der Möbel-Gestaltung ebensosehr aus, wie
sein Maßhalten, ja oft radikale Abstinenz in
allem ornamentalen Beiwerk. Eine nüchterne
Eleganz, das ist das hervorstechendste an
Wiegand's Möbeln, und das verleiht ihnen
auch ihre Eigenart,
namentlich gegenüber
dem dagegen zuweilen
etwas gesucht wir-
kenden Primitivismus
jener Wiener Sezessio-
nisten, welche vielleicht
Ed.Wiegands Vorbilder
und Anreger waren.
Wiegand ist durchaus
Architekt und Kon-
strukteur u. verschmäht
alle malerischen Mätz-
chen. Er will lieber
nüchtern und herb er-
scheinen, als sich mit
falschem Prunke und gisela mirkowsky.

erborgten Verzierungen effektvoll heraus-
putzen. — Und gerade darum wirkt er um
so effektvoller, aber im guten Sinne, d. h.
er überzeugt uns von seinem Ernste.

Bei Paul Horti tritt das national-unga-
rische Element mehr in den Vordergrund,
namentlich, und nicht selten in prachtvollen
Motiven, bei seinen Poterieen und Stoff-
Mustern, wofür uns die Abbildungen dieser
Publikation nach sogenannten » Ungarischen
Bauern - löpfereien<i, Schmucksachen und
nach dem von Frau Daniel Kabay ausge-
führten Seiden-Teppiche treffliche Beispiele
gewähren. Horti ist ein überaus vielseitiger
und produktiver Künstler, der, so ungleich-
mässig seine Schöpfungen auch sein mögen,
für Ungarn ein trei-
bendes Element ersten
Ranges bedeutet. Und
wenn es dem so
überaus ernst ringen-
den Künstler gelingt,
immer mehr los zu
kommen von fremden,
namentlich englischen
Einflüssen und dem
ungarischen Empfin-
den mehr und mehr
Ausdrucks-Formen in
seinen Werken zu ver-
leihen, so wird sein
Schaffen Ungarn auf
Gebrannter Sammt. der Bahn des gewerb-
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