Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 11.1902

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Patriz Buber und Felix Commichau v

Durch ein tragisches Geschick sind zwei
hoffnungsvolle, ausgezeichnete junge
Männer uns und der jungen Kunst-
Bewegung entrissen worden: ein Architekt,
von dem wir noch Ausserordentliches erwarten
durften und ein litterarischer Mitarbeiter, der
nicht minder begabt und berufen war, in der
modernen Kunst-Bewegung anregend und
kritisch Hervorragendes zu leisten. Wir sehen
hier davon ab, auf die Einzelheiten des
erschütternden Ereignisses noch einmal ein-
zugehen, zumal sie in der Presse nur allzuviel
erörtert worden sind. Wir wollen hier nur unse-
rem tiefen Schmerze darüber Ausdruck geben,
dass uns zwei solche Mit-
arbeiter entrissen worden
sind. Insbesondere kann
ich nicht umhin, zu be-
tonen, dass ich Felix
Commichau als einem
hoch talentierten und
treuen Mitarbeiter ein
ehrendes Angedenken
bewahre; und nach den
zahlreichen Beweisen
inniger Teilnahme an
seinem allzufrühen Ende
darf ich schliessen, dass
dies Empfinden in allen
Kreisen der Kunst und
Litteratur, die ihn kann-
ten, geteilt wird. Eine
seiner besten Leistungen
war eine Studie über die
Kunst seines Freundes
Patriz Huber, welche
im August-Hefte iqoi
erschienen ist. Nicht
ohne eine gewisse Er-
griffenheit ersieht man
daran, wie sehr sich die
Beiden verstanden. Man
hat es gewagt, die That
Huber's als die Folge
künstlerischer Überheb-
ung und Enttäuschung
hinzustellen. Wer Patriz
Huber jedoch, der auf

Jahre hinaus mit umfangreichen und schönen
Aufträgen geradezu überhäuft war, gekannt
hat, weiss, dass sein schlichter Karakter keine
Selbstüberhebung kannte. Gewiss, er hatte
das Glück, sich in jungen Jahren anerkannt
und in bevorzugter Lage zu sehen, aber er
war dabei der prächtige, ehrliche, einfache
Mensch geblieben, der es viel zu ernst nahm
mit der Kunst, um auf die Reden Un-
berufener Wert zu legen. Es muss mit
aller Entschiedenheit dagegen Verwahrung
eingelegt werden, dass das Andenken eines
unglücklichen Künstlers durch solche Aus-
streuungen herabgezogen wird. Alex. Koch.

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OBER-BAURAT o. WAGNER—WIEN. Kamin-Partie des Depeschen-Saales der »Zeit«,
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