Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 11.1902

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BUCH-EINBANDE
MODERNER ART

EINIGE WORTE ÜBER DAS
ERGEBNIS DES PREIS-AUS-
SCHREIBENS DER BUCH-
BINDEREI, A.G., VORMALS
GUST. FRITZSCHE, LEIPZIG,
ZUR ERLANGUNG VON ENT-
WÜRFEN ZU MODERNEN
BUCH - EINBAND - DECKEN. ^

H. ABEKING—CHARLOTTENBURG: ein Preis, 75 Mk.

Eine sehr grosse Zahl junger deutscher
Künstler hat sich der Aufgabe des
Buchschmucks gewidmet. Dass das
Buch, nicht blos die Seltenheit des Liebhabers,
sondern auch das Volksbuch ein typo-
graphisches Kunstwerk sein soll, diese An-
schauung hat den breitesten Boden gewonnen
und viel junge künstlerische Kraft in Be-
wegung gesetzt, die mit frischem Wagmut
vorwärts dringt, viel Schönes schafft, freilich
noch mehr Unreifes, aus mangelnder selb-
ständiger Fantasie und aus mangelnder
Kenntnis der Möglichkeiten und Grenzen
der Technik und des Materials. Bei einem
Preisausschreiben werden die führenden
Meister fehlen, deshalb können seine Er-
gebnisse, auch wenn sie noch so erfreulich
sind, selten einen Maßstab für die allgemeine
Leistungsfähigkeit geben. Das Fritzsche'sche
Preisausschreiben verlangte Entwürfe für
künstlerische Buch-Einbände »in origineller,
moderner Ornamentierung bei geschmack-
voller breiter Flächen - Behandlung und
Bezugnahme auf den Inhalt« für drei Gruppen:
für moderne Belletristik, für Volksausgaben
hervorragender Litteratur, insbesondere für
Volksausgaben der Klassiker, für kunst-
geschichtliche, technische u. a. Lehrbücher
und drittens für Fabrik-Kataloge, die zugleich

1903. IY. 4.

als Agenden- und Kalender-Decken der be-
treffenden Industrie dienen können. Für die
dritte Gruppe waren namentlich solche Ent-
würfe gewünscht, welche auf die Eisen-,
Maschinen-, Textil- und keramische Industrie
in ihren Motiven Bezug nehmen. Für jede
Gruppe waren drei Preise, 250 Mk., 150 Mk.
und 100 Mk. und für den unbedingt besten
Entwurf eine Extraprämie von 500 Mk., für
das ganze Ausschreiben also 2000 Mk. aus-
gesetzt worden. Es war den Preisrichtern
frei gegeben, die für die Preise angesetzten
Summen eventuell in anderer Bemessung
zur Verteilung zu bringen. Von diesem
ihnen zustehenden Rechte haben sie denn
auch durchgängig Gebrauch gemacht.

Die Beteiligung war gross; nicht weniger
als 1622 Entwürfe von 437 Verfassern waren
bis zum Endtermin, den 15. Oktober ein-
gegangen. Nachdem in mehrmaliger Durch-
sicht die gänzlich ungeeignet erscheinenden
Entwürfe ausgeschieden worden waren,
blieben für Gruppe I 61, für Gruppe II 35
und für Gruppe III 14, also im Ganzen
11 o Entwürfe zurück. Angesichts dieser
grossen Zahl von Entwürfen, von denen
77 in vorliegendem Hefte veröffentlicht
werden, stellte das Preisgericht folgende
Erwägungen an: die Zahl der eingegangenen
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