Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 11.1902

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Eindrücke aus der amerikanischen Abteilung.

Einer der Männer, welche unsere Zeit
kennzeichnen, ist der gegenwärtige
Präsident der Union, Herr Roosevelt.
Er hat die Augen der Welt auf sich ge-
zogen nicht nur als Chef eines ungeheueren
Staaten-Gefüges, sondern auch als Persön-
lichkeit, als Mann. Sein Blick reicht weit
hinaus über die politische Wirrnis der Gegen-
wart und richtet sich unausgesetzt auf die
Ziele, denen das grosse amerikanische Volk
der Zukunft entgegen wandeln soll. Es ist
sein Bestreben, auch den kulturellen Vor-
marsch einer Nation, die sich jetzt erst aus
dem Chaos heraus zu sammeln und zu for-
mieren beginnt, in Gang zu bringen und in
die glücklichste Richtung zu lenken. Er
will die Union nicht nur politisch, sondern
auch kulturell orientieren, und hierdurch hat
er vornehmlich die hohe Achtung errungen,
welche ihm die führenden Geister der
alten Welt entgegenbringen. Namentlich in
Deutschland hat man seine Absichten und

Direktiven mit Aufmerksamkeit verfolgt und
manche Äusserung aus seinen Reden und
Schriften eifrig erörtert. Er hat es eigent-
lich erst dahin gebracht, dass man an eine
kulturelle Zukunft der »Neuen Welt« zu
glauben beginnt, dass man sich nach und
nach überzeugt, es werde einst dort mehr
entstehen als ein nüchterner, kolossaler
Zivilisations - Automat. — Roosevelt sagt:
»Das blosse materielle Ideal, das blosse
Handels-Ideal der Leute, für die das Vater-
land den Geldschrank bedeutet, erniedrigt
und verschlechtert. Es bleibt dabei, dass
ein Mensch und eine Nation nicht vom Brot
allein leben können.« — Die Monatschrift
»Die Kultur«, welche uns diesen prächtigen
Ausspruch des Präsidenten vermittelte, hat
aber noch einen anderen stolzen Satz aus
seiner Paeder festgehalten, in welchem es
heisst: »Unser Volk hält unter allen Völkern
des Erdkreises in seinen Händen das Schick-
sal der Jahre, die da kommen —!«
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