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Dobschütz, Ernst von
Christusbilder: Untersuchungen zur christlichen Legende — Leipzig, 1899

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https://doi.org/10.11588/diglit.4919#0017
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Vorrede.

Beschäftigt mit den Vorarbeiten zu einer neuen Ausgabe
der sog. Acta Pilati empfand ich das Bedürfnis, die wechsel-
volle Beurteilung, welche der Procurator Judaeas in der christ-
lichen Litteratur im Laufe der Jahrhunderte erfahren hat, genauer
als bisher geschehen, zu verfolgen. An dem Zweige der mittel-
alterlich-lateinischen Legende blieb ich hängen. Denn hier ver-
schwand der Boden gesicherter Chronologie unter den Füssen.
Nun war überall zu lesen, die Veronicalegende, deren enge Ver-
wandtschaft mit der Pilatuslegende mir bald entgegentrat, sei
völlig abhängig von der Abgarlegende. Für diese besitzen wir eine
ausnehmend reiche, chronologisch gesicherte Zeugenreihe. War
da nicht zu hoffen, dass etwas von diesem Reichtum auch für
die Veronica- und Pilatuslegende abfallen würde ? Von hier
aus bin ich zu der Frage nach den wunderbar entstandenen
Christusbildern gekommen. Ein Excurs zu den Pilatusstudien
sollte es werden; ein stattlicher Band ist daraus geworden. Die
Voraussetzung, von der ich ausging, hat sich dabei als falsch
erwiesen. Dennoch hoffe ich auch für jenen ursprünglich ins
Auge gefassten Zweck etwas damit gewonnen zu haben.

Doch nicht nur für jenen! Ich habe versucht die Frage
auf eine möglichst breite Basis zu stellen. Die Abgar- und
die Veronicalegende sind nur zwei Erscheinungsformen eines
weit verbreiteten Glaubens. So hat mich die Untersuchung in
die mannigfachsten Gebiete antiker Archäologie und Kultge-
schichte, byzantinischer Hagiographie und Chronographie, latei-
nischer Legenden und Chroniken bis in die Geschichte des
Theaters und der darstellenden Kunst des ausgehenden Mittel-
alters geführt, der gelehrten theologisch-polemischen Litteratur
 
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