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von dem Architekten Habrich errichtet wor-
den und hat seither mehrere Umbauten erfah-
ren. In der ursprünglichen Version war dem
Hauptbaukörper zwischen den beiden Eck-
türmen über die unteren drei Geschosse hin-
weg eine großflächige Glasfassade vorge-
hängt, die in merkwürdigem Gegensatz zu
den plastisch durchgeformten Ecktürmen
und den in massigen Jugendstilformen dar-
über hinausragenden oberen Fassadenteilen
stand. 1921 wurde die gesamte Fassade zwi-
schen den Ecktürmen durch H. Johannes zur
heutigen Form umgebaut: die gläserne Cur-
tain-Wall wurde entfernt und nur noch im Erd-
geschoß sind große Schaufensteröffnungen
beibehalten worden. Im ersten und zweiten
Obergeschoß sind die zurückliegenden Stüt-
zen pilasterartig verkleidet worden und fas-
sen nun geschoßübergreifend diesen Fas-
sadenteil zu einer Einheit zusammen. Ein ho-
hes, balustradenartiges Gesims mit Schlitz-
öffnungen trennt das dritte Obergeschoß und
die auszugartig überhöhte Fassadenmitte
von den unteren Stockwerken. Dieser ober-
ste Teil der Fassade entspricht noch weitge-
hend der Ausbildung von 1901/02, lediglich
die figürlichen Reliefs an den Pfeilern sowie
die in großen Lettern aufgeputzte Hausin-
schrift entstammen der Umbauphase von
1921. Nach 1945 wurden den ehemals reich
instrumentierten seitlichen Türmen nüch-
terne Wabenverkleidungen vorgeblendet, die
erst vor kurzem wieder entfernt wurden.
Die einheitlich in den siebziger und achtziger
Jahren des 19. Jh. entstandene Bebauung
der Friedrich-Wilhelm-Straße mit Wohn-/ und
Geschäftshäusern ist während des Zweiten
Weltkrieges vor allem auf der Ostseite in ih-
rem Bestand dezimiert worden. Die Bebau-
ung der Westseite dagegen ist bis auf den
Kopfbau am Südende der Straße überwie-
gend in ihrer gründerzeitlichen Ausformung
erhalten geblieben (Friedrich-Wilhelm-
Straße 43,44, 45,46,47,48,49, 50). Abgese-
hen von einigen modern gestalteten Ge-
schäftseinbauten in den Erdgeschoßzonen
und erneuerten, großflächig verglasten Fen-
steröffnungen, vermittelt diese Gebäude-
gruppe noch ein recht anschauliches Bild der
städtebaulichen Situation, wie sie für einen
verdichteten, innerstädtischen Bereich im
letzten Drittel des 19. Jh. typisch war: eine ge-
schlossene, die Grundstücksbreite voll aus-
nutzende, viergeschossige Zeilenbebauung,
an derdurch klassizistische, bzw. der Renais-
sance entlehnte Gliederungsmotive die Ab-
folge der Putzfassaden rhythmisiert und die
Einzelfassaden in geschlossene Formen ge-
bracht werden. Die gesamte Zeile ist zusam-
men mit der Neuanlage der Straße konzipiert
worden und wohl zwischen 1876 und 1880
entstanden. Eine Ausnahme bildet das Haus
Friedrich-Wilhelm-Straße 50, das im Gegen-
satz zu den vorangegangenen Putzbauten
um 1880 als Ziegelbau mit bauplastischem
Schmuck in Werkstein errichtet wurde. Die
Fassade dieses Gebäudes ist auf den kleinen
dreieckigen Platz gerichtet, der durch die Ga-
belung der Friedrich-Wilhelm-Straße an die-
ser Stelle entsteht und korrespondiert mit den
schräg gegenüberliegenden Fronten der
Oberpostdirektion, auf die sie durch die Wahl
der Baumaterialien direkten Bezug nimmt.

Friedrich-Wilhelm-Str. 50, um 1880


Friedrich-Wilhelm-Str. 51


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