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Ecklösungen auf die platzartige Situation am
Ackerhof Bezug zu nehmen hatten.
Mit überdurchschnittlichem gestalterischem
Aufwand ist dabei der erst 1913 begonnene
südwestliche Eckbau aufgeführt worden,
nachdem das bis dahin an dieser Stelle noch
stehengebliebene Fachwerkhaus an die Ma-
gnikirche versetzt worden war (s. Hinter der
Magnikirche 1). Der von Karl Munte und Jos.
M. Kerle konzipierte Neubau umfaßt als ein-
heitlicher Entwurfdiebeiden Grundstücke Öl-
schlägern 29 und Schloßstraße 8. Der dreige-
schossige Baukomplex mit umfangreichen
Dachausbauten bezieht seine optische Wir-
kung in erster Linie aus der ausgewogen ein-
gesetzten Kombination der Baustoffe: braun-
rote Klinker im polnischen Verband sind für
die Wandflächen und Stützglieder verwendet

worden, und farbig kontrastierend hierzu er-
scheinen die Zierglieder wie Gesimse, Brü-
stungsfelder und die Rahmen sämtlicher Öff-
nungen in einem hellen Muschelkalkkunst-
stein. Frühe Bauten Fritz Schumachers mö-
gen bei der Wahl dieser Materialabstufung
vorbildhaft gewirkt haben. Die Konzeption
des Fassadenaufrisses ist in ihrer Formen-
sprache eher rückwärts gerichtet und arbei-
tet, wenn auch vereinfacht, mit barocken Ele-
menten. So werden am Eckbau die drei Ge-
schosse mit einer kolossalen Pilasterstellung
zusammengefaßt, und eine Attika separiert
das voll ausgebildete Dachgeschoß von den
unteren Stockwerken. Vörden Beschädigun-
gen im Dachbereich während des Zweiten
Weltkrieges trugen diese Fassadenteile beid-
seitig der konkav zurückschwingenden Ge-

bäudeecke abschließende Segmentbogen-
giebel. Dieser Zustand wurde bei Restaurie-
rung des Gebäudes nicht wieder hergestellt,
ebensowenig wie das kleine Belvedere auf
dem Dach in Form eines Rundtempelchens,
das die Mitte der vielachsigen Baufront an der
Schloßstraße akzentuierte. Die heute hier
und im Dach der Nordfront sitzenden breiten
Schleppgauben sind eine Zutat aus der Wie-
deraufbauzeit und Ersatz für eine Reihe von
Dachhäuschen, die das äußere Erschei-
nungsbild des Ursprungsbaues zusätzlich
auflockerten. Das im Erdgeschoß an beiden
Straßenfronten mit Rundbögen geöffnete
Gebäude wurde als Wohn- und Bürohaus er-
richtet und der Flügel an der Schloßstraße für
die Aufnahme einer Druckerei konzipiert.

Ölschlägern 29, Wohn-/Geschäftshaus, 1913, Architekten K. Munte und J. M. Kerle


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