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Heute setzt die 1867 errichtete sog. „Glitzer-
burg” (Wall 12), ein zur Wallanlage orientierter
stattlicher Rohziegelbau, genau in der Blick-
achse Burgstraße/Alte Bahnhofstraße gelegen,
einen städtebaulich bedeutenden Akzent. Er
leitet zu der nach Osten hin leicht ansteigenden
Wallanlage über mit ihrem alten Laubholzbe-
stand (Sommerlinde, Spitzahorn, Stileiche, Ka-
stanie).
Durch die Schleifung der östlichen Befesti-
gungsanlage und die Anbindung des Stadter-
weiterungsgebiets mit seinen die Wallanlagen
durchbrechenden und neuprojektierten Stra-
ßen verlor das Stadtbild Mündens einen erheb-
lichen Teil seines einstigen geschlossenen mit-
telalterlichen Charakters. Leider fand diese
Entwicklung in den letzten Jahren durch den
rigorosen Abriß der kleinteiligen schlichten Be-
bauung Am Plan und der um 1900 errichteten
zeittypischen Solitärbauten „Kleinkinder-Be-
wahranstalt” von 1875 (Wall2), Hotel zur Krone
(Wall 4), Wohnhaus für M. Wolff von 1912 (Am
Plan 21), die in ihrer Gruppierung nicht nur den
Verlauf der östlichen Stadtbefestigung Wieder-
gaben, sondern sich in ihrer Gesamtheit zu
einer interessanten Randbebauung verbanden,
ihre Fortsetzung.

St. Blasiikirche
Auf dem zentralen Kirch- und Marktplatz, dem
seit jeher innerhalb der Stadt eine besondere
Bedeutung zukommt und der zugleich kulturel-
ler wie wirtschaftlicher Mittelpunkt des städti-
schen Lebens war, entstand die spätgotische
St. Blasiikirche, eine dreischiffige, fünfjochige
Hallenkirche mit östlichem Polygonalchor und
mächtigem, alle drei Schiffe überspannenden
Satteldach, aus dem ein dachreiterartiger Poly-
gonalturm herauswächst, bekrönt von einer
glockenförmigen Laternenhaube, die weithin
sichtbar das Stadtbild Mündens überragt. Sie
bildet im Einklang mit dem stattlichen Rathaus
und der platzumschließenden kleinteiligen Bür-
gerhausarchitektur das alles beherrschende
Herzstück des historischen Stadtkerns.
Die 1973/74 von R. Grenz durchgeführten Gra-
bungen im Kirchenschiff, deren Grabungsfeld
von einer freitragenden Stahlbetondecke über-
spannt und zugänglich ist, zeigt über einem
christlichen Körpergräberfeld Fundamente und
Mauerwerkreste einer annähernd quadrati-
schen Kapelle. Erweitert wurde die im ersten
Geviert der gotischen Hallenkirche gelegene
Kapelle zu einer stattlichen Pfeilerbasilika über
lateinischem Kreuzgrundriß mit abgetreppten
Langhauspfeilern. Die qualitätvolle Bauplastik
an den Basen (kugelhaltende Adlerklaue, sog.
„Nasen”) entspricht dem zeittypischen For-
menvokabular der 2. Hälfte des 12. Jh., wie sie
u. a. die Klosterrkirche in Bursfelde zeigt.
Während R. Grenz den Kapellenerstbau um
1000 und die basilikale Erweiterung um 1150
datiert, konnte H. G. Stephan in seinem Beitrag
zur archäologischen Stadtkernforschung von
1978 unter Zugrundelegung der Grabungsbe-
funde (Keramik) überzeugend nachweisen, daß


St. Blasii, Blick nach Westen, Orgelprospekt Chr. Weiß 1643/45


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