Lufen, Peter Ferdinand [Oth.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 5,2): Landkreis Göttingen, T. 1: Altkreis Münden mit den Gemeinden Adelebsen, Bovenden und Rosdorf — Braunschweig, 1993

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STADT DRANSFELD

Dransfeld liegt auf einer von Basaltkuppen
durchsetzten, nach Osten allmählich anstei-
gende Hochfläche östlich des Bramwaldes in
etwa 320 m Höhe und wird von der Aus-
schnippe durchflossen, einem kleinen von den
Hängen des Hohen Hagen kommenden Ba-
ches. Durchschnitten wird die Altsiedelfläche
von der B 3, der ehemaligen von Göttingen
nach Münden führenden Chaussee, die inner-
halb der Ortslage die Bezeichnung Lange
Straße trägt.
Im Jahre 1856 erhielt Dransfeld Bahnanschluß,
dessen Gleiskörper zugleich etwa die nördliche
Stadtbegrenzung bildet. Die Strecke Göttin-
gen-Münden, die auch Dransfeld tangiert, ver-
lor jedoch durch den weiteren Ausbau des
Bahnnetzes erheblich an Bedeutung.
Die erste urkundliche Nennung des Ortes
„Trhenesfelde” erfolgte 960 in einer von Otto I.
unterzeichneten Güteraufstellung des Klosters
Hilwartshausen. Nachgewiesen ist auch eine
zumeist von Töpfern bewohnte Siedlung
(„Grobhagen” - Gropper = Töpfer), die wohl
außerhalb der späteren Umwallung lag und be-
reits während der Sternerkriege (14. Jh.) wüst
wurde. Noch heute erinnert die Flurbezeich-
nung „Das Alte Dorf” in der südlichen Dransfel-
der Gemarkung an den frühen Siedlungskern.
Das historische Quellenmaterial zur Entwick-
lung der Stadt Dransfeld ist sehr spärlich, da
große Stadtbrände in den Jahren 1634 und
1834 auch zahlreiche Urkunden vernichteten.
Als gesichert darf angenommen werden, daß
Dransfeld zu den frühesten Siedlungen Nieder-
sachsens zählt.
Das Jahr der Stadterhebung Dransfelds ist -
wie bei den meisten anderen Städten auch -
urkundlich nicht überliefert. Offenbar bestand
Dransfeld zu Beginn des 14. Jh. als stadtähnli-
che Siedlung, die indes noch nicht die Rechte
einer Stadt besaß. 1345 läßt sich erstmalig das
Bestehen eines Rates in Dransfeld nachwei-
sen. Zu jener Zeit wird die Besiedlung des
westlichen Bachufers bis zur Befestigungsan-
lage, die aus Wall und Graben bestand, abge-
schlossen gewesen sein. Herzog Otto von
Braunschweig verlieh 1368 dem Rat von Drans-
feld alle Rechte der städtischen Selbstverwal-
tung nach dem Mündener Stadtrecht. Mit dem
verliehenen Stadtrecht war zugleich die Mög-
lichkeit zum Mauerbau gegeben, der erstmals
1430 urkundlich bezeugt ist.
Besondere Bedeutung kam der im nördlichen
Teil des Ortes gelegenen Martinikirche zu. Das
Patrozinium deutet an, daß die Kirche vermut-
lich vor dem Ende des 9. Jh. von Mainz aus
gegründet worden ist. Als Mutterkirche zahlrei-
cher Filialkirchen wurde St. Martini das Gottes-
haus des Archipresbyters innerhalb des Sedal-
bereiches Dransfeld. Nach dem Stadtbrand
1834 wurde die Kirche unter Verwendung goti-
scher Bausubstanz zu einer spätklassizisti-
schen Saalkirche völlig umgestaltet und bildet
heute das beherrschende Bauwerk Dransfelds.
Östlich des „Altendorfs” an der Dranse entwik-
kelte sich aus einem ehemaligen Ausspann-
platz für die Handelswagen ein Martkplatz
(mercatus) mit einer Siedlung der Schmiede,
Wagner und Gewandschneider, aus der die


Dransfeld, Plan der Stadt von 1834, neu gezeichnet 1972 mit dem heutigen Verlauf der Straßen
(Archiv Stadt Dransfeld)

Dransfeld, Alte Marktstraße 22, 24, 26ff


Dransfeld, Johannes-Jeep-Straße 2/4


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