Lufen, Peter Ferdinand [Oth.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 5,2): Landkreis Göttingen, T. 1: Altkreis Münden mit den Gemeinden Adelebsen, Bovenden und Rosdorf — Braunschweig, 1993

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Ansicht von Adelebsen, M. Merian, Braunschweig-Lüneburg, 1654

ADELEBSEN

Der erstmals 990 urkundlich erwähnte Ort „Eth-
leveshusen”, das heutige Adelebsen, etwa 18
km nordwestlich von Göttingen gelegen, ent-
stand an der alten via regia, die von der Pfalz
Grona über Uslar nach Lauenförde führte.
Diese bedeutende Heerstraße ist durch eine
Burganlage gesichert, deren Anfänge bis ins
frühe 13. Jh. zurückreichen, als die Herren von
Adelebsen ihren Stammsitz vom östlich gele-
genen Ort Wibbecke - nach dem sie sich ur-
sprünglich nannten - nach Adelebsen verleg-
ten. Kurz nach ihrer Übersiedlung begannen
sie wohl mit dem Bau eines „festen Hauses”,
wie die Burganlage erstmals 1295 quellenmä-
ßig genannt ist, die zugleich die Keimzelle der
Ortsentstehung bildet. Die das Ortsbild beherr-
schende imposante Höhenburg entstand auf
einem langgestreckten Buntsandsteinsporn,
der in einem Steilhang ca. 30 m zum Schwül-
metal abfällt. Von hier aus lassen sich das Tal
und die umliegenden Höhen überblicken und
die zwischen Steilhang und Schwülmeniede-
rung verlaufende Straße kontrollieren. Zu-
nächst noch den Schutz der Burg suchend,
entwickelte sich eine Art „Vorburgsiedlung”, die
sich ausdehnte und aus der, in Anlehnung an
urbane Vorbilder, der Flecken Adelebsen wäh-
rend des 13. und 14. Jh. hervorging.
Besondere Bedeutung kommt der Haupt-
straße, der Lange Straße, zu, die sich an ihrem
Westende zu einem dreieckigen Platz, vermut-
lich dem ehemaligen Marktplatz, weitete und
sich in die Untere- und Obere Torstraße gabelte.
Die Straßen waren einst durch Tore gesichert,
deren genaue Lage indes noch ungeklärt ist.
Quellenmäßig belegt werden das Tor „under
dem Hagen”, das „holewegdor” im Norden und
im Osten das „steindor”, die in Verbindung mit
den Gräben und einem aufgestauten Teich („gro-
ter dijk”) im Süden den Flecken umschlossen.
Infolge eines Großbrandes 1626 wurden große
Teile des Ortes und der Burg vernichtet. Erst
im Laufe des 17. Jh. läßt sich in Adelebsen ein
Markt nachweisen, als Nachfolge des Wall-
fahrts- und Marktbetriebes des inzwischen
wüst gewordenen Reynhardeshagen. Mitte des

19. Jh. verlor der Flecken seine Zentralstellung
durch die Auflösung des geschlossenen Patri-
monialgerichts und durch die Aufhebung des
zunächst eingerichteten Amtes Adelebsen.
Seit dem ausgehenden 19. Jh. entwickelte sich
Adelebsen durch den Basaltabbau an Bram-
burg, Grefenburg und Brackenberg zum Stand-
ort einer bedeutenden Steinbruchindustrie,
hervorgerufen durch die starke Nachfrage nach
Pflaster und Schottermaterial für Straßen- und
Eisenbahnbau. Zudem erhielt Adelebsen 1910
Anschluß an die Bahnlinie Göttingen-Boden-
felde. Die Folge dieses Aufschwungs war die
Bebauung der östlich des alten Ortskerns gele-
genen Bahnhofstraße; ferner wurden in den
fünfziger und sechziger Jahren größere zusam-
menhängende Baugebiete im Norden und

Nordosten des Fleckens erschlossen, die das
Ortsbild wesentlich veränderten.
Ortsbildprägend ist die von Nordosten nach
Südwesten verlaufende leicht gekrümmte
Lange Straße, die, wie archäologische Unter-
suchungen in den letzten Jahren ergaben, be-
reits im frühen 13. Jh. angelegt wurde. Die „To-
pographische Carta des adelichen Gerichts
Adelepsen...” aus dem frühen 18. Jh. und die
Gemarkungskarte des Fleckens von 1888 zei-
gen ausschließlich dichtgereihte giebelstän-
dige Bauten auf schmalen Streifenparzellen
beidseits der Ortsdurchfahrtsstraße. Nur noch
in Burgnähe, im südlichen Teil der Langen- und
Unteren Straße hat sich der typische ortsbild-
prägende Charakter der geschlossenen, nur
durch schmale Traufgäßchen getrennten Gie-


Adelebsen, Schloßanlage, Gesamtansicht von Südosten

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