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Veckerhäger Straße 27, Villa G. Münder, 1908, Architekt C. Arend, Ansicht, Erdgeschoß-Grundriß,
Bauordnungsamt Stadt Münden


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Veckerhäger Straße 27, Villa G. Münder, 1908, Architekt C. Arend

Veckerhäger Straße 49, Wohnhaus, 1905


der Stadt im ausgehenden 12. Jh. verloren die
dörflichen Siedlungen Gimundin (seit 1273
bzw. 1304 „Oldenmunden”), das am jenseitigen
Ufer der Werra gelegene Hermannshagen und
die ehemalige Siedlung „Ratten”, das heutige
Neumünden, am Westufer der Fuda, erheblich
an Bedeutung. Die mit landesherrlichen Privile-
gien ausgestattete Stadt adaptierte nicht nur
die Bezeichnung Gimundin, sondern über-
nahm auch mehr und mehr die Funktion des
präurbanen Siedlungskerns, dessen Wüstle-
gung bereits um 1400 nachweisbar ist. Neben
der vermutlich im frühen 13. Jh. entstandenen
Laurentiuskapelle, von der sich lediglich Rudi-
mente der in Bruchstein gemauerten östlichen
Umfassungsmauer erhalten haben, erinnern
nur noch die Flurbezeichnungen Kapellenbreite
und Fischerweg an die entwicklungsgeschicht-
lich bedeutsame alte Furtsiedlung am westli-
chen Weserufer.
Im ausgehenden 19. Jh. setzte eine Neube-
siedlung Altmündens ein, nachdem die Reis-
stärkefabrik W. Rickmers ein größeres Gelände
im nördlichen Teil Altmündens erwarb und sich
rasch zu einem der größten und bedeutendsten
Unternehmen Mündens entwickelte. Zugleich
legte man in unmittelbarer Nähe der bereits
1909 wieder aufgegebenen Fabrik, auf deren
Areal sich die Hochspannungsgesellschaft
Kendler & Co. ansiedelte, einen Entlastungs-
und Winterschutzhafen an.
Die ersten Wohnbauten entstanden an der
Ende des 19. Jh. zur Chaussee ausgebauten
Veckerhäger Straße, die sich zum Rückgrat Alt-
mündens entwickelte. Als Hauptdurchgangs-
straße findet sie in der Wilhelmshäuser Straße
(B 3) und der B 80 ihre Fortsetzung, die Altmün-
den mit der Vorstadt Blume, Gimte und Neu-
münden verbindet.
Das Erscheinungsbild Altmündens wird im we-
sentlichen bestimmt von freistehenden mehr-
geschossigen Solitärbauten auf großzügig be-
messenen Grundstücken, deren Wirkung durch
hohes, den Geländesprung abfangendes
Stützmauerwerk unterstrichen wird. Aus der
Reihe der straßenbildprägenden Bauten ver-
dienen der um 1900 für den Maurer H. Kasten
errichtete 2V2geschossige Putzbau Veckerhä-
ger Straße 41, der vielgliedrige, stattliche Eck-
bau Nr. 49 von 1905 sowie der auf hohem Sok-
kelgeschoß erbaute 21/2geschossige Fach-
werkbau Veckerhäger Straße 65fürTh. Fischer
von 1902, der auch aufgrund seiner exponier-
ten Lage an der sich platzartig erweiternden
Veckerhäger Straße einen markanten Punkt im
Straßenbild setzt, hervorgehoben zu werden.
Mit der 1908 von C. Arend (Hannover) geplan-
ten Villa des Fabrikanten G. Münder Veckerhä-
ger Straße 27 setzt ein geschickt die Hanglage
nutzender repräsentativer Solitärbau einen im-
posanten Akzent. Die heute als Seniorenheim
genutzte, weithin sichtbare Fabrikanten-Villa
liegt von der Straßenflucht zurückgesetzt inmit-
ten einer wohlgepflegten parkähnlichen An-
lage. Der repräsentative Charaker der streng
symmetrisch aufgebauten Villa wird durch die
vorgebaute zweiläufige Freitreppe mit portikus-
artiger Veranda hervorgehoben.
Einen markanten und historisch bedeutsamen
Punkt setzt die sog. Tillyschanze- e'm in Anleh-
nung an mittelalterliche Wehrbauten gestalteter

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