Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Kämmerer, Christian [Editor]; Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 7,1): Landkreis Northeim: Südlicher Teil mit den Städten Hardegsen, Moringen, Northeim und Uslar, den Flecken Bodenfelde und Nörten-Hardenberg, der Gemeinde Katlenburg-Lindau und dem Gemeindefreien Gebiet Solling — Braunschweig, 2002

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44420#0234
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Am Münster 6, 7, 8, 9. Traufständige Fachwerkzeile z. T. aus dem frühen 16.Jh.


Breite Straße 65. Wohn-Geschäftshaus für Bankier A. Müller. Erb. 1900 von Frankenberg


gekehlten Knaggen gehalten werden - die
Knaggenverriegelung ist am Bau Nr. 42 zu
ergänzen - tragen zur Wirkung des Straßenab-
schnittes bei. Nach der „Liste der Northeimer
Bürgerhäuser“ war der Bau Nr. 42 ein Plessi-
sches Lehnshaus.
Nahtlos schließen die nicht minder bedeuten-
den Traufenbauten Breite Straße 44 und 45 an,
zwei markante Ständer-Geschossbauten mit
erheblichem Zeugniswert. Die Reihung der tief
gekehlten Knaggen von klassischer Strenge,
deren Übergang zum Ständer durch eine
dezente Profilierung angedeutet wird, sowie
das Schiffskehlenmotiv auf der Oberstock-
schwelle (Nr. 45) deuten auf eine Entste-
hungszeit um 1600 hin.
In die Zeit um 1700 ist der siebenachsige
Fachwerkbau Breite Straße 48 zu datieren, ein
doppelgeschossiger, stockwerkweise abge-
zimmerter Bau mit zweiseitig in Balkenstärke
vorkragenden Oberstöcken. Zum Formenre-
pertoire der Zeit gehören die paarweise ange-
ordneten Fußstreben in den Brüstungszonen
und die schlichte Akzentuierung der Eckständer
durch Säulchen, die aus dem vollen Holz der
Ständer herausgearbeitet wurden.
Offenbar um die Mitte des 16.Jh. wurde der
erheblich veränderte sechsgebindige Ständer-
Geschossbau Breite Straße 49 errichtet, des-
sen zweiseitig vorkragender Oberstock
ursprünglich von Knaggen abgefangen wurde.
Mit den in Ziegelbauweise errichteten Wohn-
Geschäftshäusern Nr. 50 und 51 schließen
zwei massive Ersatzbauten von 1910 für
Schlächtermeister Karl Zick bzw. 1895 für
Gastwirt Wilhelm Müller an, deren Vorgänger-
bauten 1892 durch Brand zerstört wurden.
In die Reihe der bemerkenswerten Ständer-
Geschossbauten fügt sich der dreiachsige Bau
Nr. 54 ein, der nachträglich aufgestockt wurde.
Sein vorkragender Oberstock mit dezenter
Kehle-Stab-Profilierung wird von schlichten
Knaggen abgefangen.
An der Stelle des 1832 durch Brand zerstörten
Knochenhauer-Gildehauses Breite Straße 65
entstand durch Maurermeister Frankenberg im
Jahre 1900 ein Wohn-Geschäftshaus für Ban-
kier Adolf Müller, ein zeittypischer dreigeschos-
siger Ziegelbau mit Werksteingliederungen.
Der Straßenabschnitt südlich des ehemaligen
Klosterareals zwischen Zwinger und Kurzer
Straße umfasst etwa 25 traufständig aus-
gerichtete, ursprünglich doppelgeschossige
Fachwerkbauten mit unterschiedlichen Trau-
fenhöhen, die sich bis ins 16.Jh. (Nr. 6, 7, 8, 16,
19, 23) zurückverfolgen lassen.
Bis auf die vollständige Veränderung der
Erdgeschosszone vermag der aus dem frühen
16.Jh. stammende Bau Am Münster 6 die
wesentlichen Gestaltungsprinzipien eines noch
spätgotischen Formvorstellungen verpflichteten
Fassadenaufbaues zu veranschaulichen.
Grundlegend für den sechsgebindigen Stän-
der-Geschossbau ist die Zusammenfassung
von Erd- und Zwischengeschoss mittels hoher,
ursprünglich durchlaufender Ständer, die bis

230
 
Annotationen