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Kämmerer, Christian [Editor]; Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 7,1): Landkreis Northeim: Südlicher Teil mit den Städten Hardegsen, Moringen, Northeim und Uslar, den Flecken Bodenfelde und Nörten-Hardenberg, der Gemeinde Katlenburg-Lindau und dem Gemeindefreien Gebiet Solling — Braunschweig, 2002

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44420#0238
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Ehern. Rathaus (zerst. 1832) am Markt. Rekonstr. von 1892; aus: Vennigerholz

schwelle, eine Zierform, die am rezenten
Northeimer Althausbestand singulär ist, und die
aus der Bauzeit des Hauses stammende
Türeinfassung mit profilierter „Überdachung“
oberhalb des durch Kehle und Wulst gefassten
Spitzbogens.
Wohl zeitgleich entstand das neungebindige
Traufenhaus Schaupenstiel 15. Es zeigt den
gleichen konstruktiven Aufbau wie der
gegenüberliegende Eckbau Schaupenstiel 9.
Erd- und Zwischengeschoss des Corvinus-
Hauses sind in Ständer-Geschossbauweise
zusammenfasst, auf dem der zweiseitig vorkra-
gende Oberstock über Knaggen ruht. Zu erken-
nen ist das nur noch vereinzelt im Altstadtkern
aufzufindende Trapezfriesmotiv auf der
Oberstockschwelle, ein durchlaufendes Kehle-
Stab-Profil, das oberhalb der Balkenköpfe in
Dreiecke übergeht.
Zur Wirkung des Straßenbildes trägt das noch
in Rudimenten erhaltene Bollwerk am Oberen
Tor Schaupenstiel 10 bei, das inschriftlich 1468
entstand. Ursprünglich aus zwei unter-
schiedlich dimensionierten Rundtürmen beste-
hend, hat sich nur noch der wehrhafte südliche
erhalten. Aus der geschlossenen Mauermasse
des seit 1740 als Brauhaus genutzten Turmes
sind schmale Schlitze und breite fensterartige
Öffnungen ausgespart. Eine Ergänzung aus
jüngster Zeit stellt der obere zinnenbekrönte
Abschluss dar. An den so genannten Brauerei-
turm, der heute als Jugend- und Kulturzentrum
dient, schließen massive Nebengebäude von
1867 an, die 1903 umgebaut wurden und den
Ostabschluss des Schaupenstiels bilden.

Markt
Von der Breiten Straße zweigt nach Norden der
stadträumlich exponierte Marktplatz ab, dessen
Erscheinungsbild durch die verheerenden
Stadtbrände von 1832 und 1892 nahezu voll-
ständig verändert wurde. Nur ansatzweise ver-
mag der „Plan von dem am 28. Mai 1832
eingeäscherten Gebäuden“ das wahre Ausmaß
der Feuerbrunst von 1832 zu veranschaulichen.
Unwiederbringlich zerstört wurden 33 Wohn-
häuser und 43 Nebengebäude sowie Metz-
gergildehaus, Apotheke und Post und ins-
besondere das platzbeherrschende mittelalterli-
che Rathaus, dessen Verlust auch einen tief
greifenden Einschnitt in das stadträumliche
Gefüge darstellt. Unter Einbeziehung der
späteren Anbauten griff der Solitärbau die
Baufluchtlinien der Hauptdurchgangsstraße
auf, schob sich keilförmig in den Platzraum
hinein und stellte bis ins frühe 19.Jh. ein
architektonisches Gegengewicht zur ehemali-
gen Marktkapelle St. Fabian und Sebastian am
Nordende des Marktes dar.
Folgenreich war ein weiterer, tief in das
Stadtbild einschneidender Stadtbrand, der am
6. Oktober 1892 hinter dem Hause Breite
Straße 52 ausbrach und auf die Häuser am
Markt Übergriff. Ein Raub der Flammen wurde
die östliche Marktseite (Markt 1-11), für deren
Ersatzbauten die Northeimer Maurermeister
Friedrich und Wilhelm Frankenberg verant-
wortlich zeichneten.

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