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Kämmerer, Christian [Editor]; Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 7,1): Landkreis Northeim: Südlicher Teil mit den Städten Hardegsen, Moringen, Northeim und Uslar, den Flecken Bodenfelde und Nörten-Hardenberg, der Gemeinde Katlenburg-Lindau und dem Gemeindefreien Gebiet Solling — Braunschweig, 2002

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https://doi.org/10.11588/diglit.44420#0241
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Ehemalige Marktkapelle St. Fabian und
Sebastian/Alte Wache

Zu Ehren der Jungfrau Maria, der Heiligen Drei
Könige und der Märtyrer Fabian und Sebastian
1354 begonnen, hält die Kapelle Am Markt 14
die Erinnerung an die 1346 wütende Pest
wach, die auch Northeim nicht verschonte. In
einem Gelübde versprachen Kloster und Stadt,
die Kapelle gemeinsam zu bauen, „die
materiellen Grundlagen für ihr Fortbestehen zu
sichern und für die gottesdienstlichen
Gerätschaften Sorge zu tragen“. Wie die
Bauinschrift oberhalb des Südportals ausweist,
konnten die Arbeiten an der Marktkapelle
spätestens 1351 abschlossen werden.
Entstanden ist ein steinsichtiger, heute ver-
putzter Buntsandsteinbau über schlichtem
Rechteckgrundriss, dessen Walmdach ein
barocker Dachreiter von 1738 bekrönt.
Überspannt wird der doppeljochige Sakralraum
von einem quadratischen Kreuzrippengewölbe.
Nachdem Mitte des 19.Jh. das westliche
Gewölbe herausgebrochen und durch den
Einbau einer Galerie ersetzt wurde, erfolgte im
Rahmen eines umfangreichen Restaurierungs-
konzeptes 1985/86 der Rückbau des Gewöl-
bes und der ursprünglichen, durch Befunde
gesicherten Raumfassung. Als Marktkapelle
geplant, erlebte der Sakralbau vornehmlich im
19.Jh. mehrere Nutzungsänderungen (Sitz der
Stadtwaage, Gefängnis, Turnhalle, „Altdeut-
sche Bierhalle“, Sammlung kirchlicher
Altertümer). Heute dient die Kapelle als Alten-
begegnungsstätte.
Nach G. J. Venningerholz beabsichtigte man im
frühen 18.Jh. „die Kapelle zu militärischen
Zwecken zu verwenden und namentlich die
Hauptwache (in die Kapelle) zu verlegen“.
Widerstände der Bürgervorsteher verhinderten
diese Lösung. Stattdessen wurde 1734 „mit
einem Aufwande von 400 Thlr.“ die „Alte
Wache“ für den Stadtkommandanten und
Garnisonskommandeur vor die Marktkapeile
gebaut. Entstanden ist ein streng gegliederter
doppelgeschossiger Fachwerkbau unter Voll-
walm mit akzentsetzendem, breit gelagerten
Mittelgiebel, der fortan den freien Blick auf den
Kapellenbau verstellt, aber nicht ohne ästheti-
schen Reiz ist. Zur malerischen Wirkung des
Baues trägt die zum Marktplatz sich öffnende
Erdgeschosszone bei, deren gliedernde Holz-
pfosten zugleich den Oberstock des stadt-
räumlich wichtigen Baues abfangen.
Die Veränderungen des Marktplatzes machten
auch vor der westlichen und östlichen Platz-
wand nicht Halt, die beide durch Brand ver-
nichtet wurden.
Während die Wiederaufbauten der westlichen
Zeile (Am Markt 18-21), die noch der 1. Hälfte
des 19.Jh. angehören, aus dreigeschossigen,
traufständig ausgerichteten, sehr streng
gegliederten Fachwerkbauten bestehen, die
sich harmonisch in die Altstadtbebauung einfü-
gen, bricht die östliche Zeile (Am Markt 1-11)
des ausgehenden 19.Jh. bewusst mit der tradi-
tionellen Fachwerkbauweise der Stadt. Die
Bauentwürfe lagen in den Händen der Nort-
heimer Maurermeister Frankenberg. An die
Stelle des strengen rasterartigen Fachwerks

Ehern. Marktkapelle St. Fabian und Sebastian, Blick von Nordwesten



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