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Kämmerer, Christian [Editor]; Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 7,1): Landkreis Northeim: Südlicher Teil mit den Städten Hardegsen, Moringen, Northeim und Uslar, den Flecken Bodenfelde und Nörten-Hardenberg, der Gemeinde Katlenburg-Lindau und dem Gemeindefreien Gebiet Solling — Braunschweig, 2002

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https://doi.org/10.11588/diglit.44420#0290
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Ehern. Klosterkirche St. Marien. Grabdenkmal für Herzog Otto den Quaden im Grabkapellen-Anbau


Klostergut Wiebrechtshausen, Blick auf das Amtshaus


Klostergut Wiebrechtshausen, Wirtschaftsgebäude der Gutsanlage


abgekragten Wandvorlagen getragen werden.
Vorherrschendes architektonisches Prinzip ist
nicht das Raumverbindende von Mittelschiff
und flankierenden Seitenschiffen, sondern die
klare Raumtrennung in einzelne Kompar-
timente. Gleichwohl erfolgt keine eindeutige
Akzentuierung der Höhenausdehnung im
Verhältnis zur Breitenabmessung, die noch
verstärkt wird durch die Rundbogenblenden,
die die spitzbogigen Langhausarkaden paar-
weise Überspannen. Die Stärke der Mauer-
masse wird anschaulich durch die gedrungen
wirkenden, kaum mannshohen, stämmigen
Zwischensäulen mit ihrem mächtigen, stark
schematisierten Blatt- und Rankenwerk und
den groben Kämpferplatten, die den Übergang
zu den Spitzbögen vermitteln. Die Säulen
alternieren mit wuchtigen Rechteckpfeilern. Die
Steinmasse der Stützen wird durch Vorlagen
der Gurtbögen betont, zwischen die die rippen-
losen Gewölbe der Seitenschiffe eingespannt
sind.
Das Erscheinungsbild des noch spätromani-
schen Formvorstellungen folgenden Kirchen-
baues wird auch durch den gotischen Grab-
kapellen-Anbau für Otto den Quaden (1367-
94), Herzog von Braunschweig-Lüneburg, nicht
wesentlich beeinträchtigt. Ursprünglich vom
Hauptbau getrennt, fügt sich die Seitenkapelle,
die die Breite des mittleren Mittelschiffjoches
aufgreift, in den Gesamtbaukörper ein. Die
Kapelle, von einem Kreuzgewölbe überspannt,
birgt das Grabmal des im Kirchenbann gestor-
benen Herzogs. Erst seiner Witwe Margarethe
gelang es, nach 1397 die Aufhebung des
Bannes durch den Mainzer Erzbischof Johann
von Nassau zu bewirken. Wohl erst nach
Lösung des Kirchenbannes in derZeit um 1400
entstanden Grabkapelle und Grabplatte. Tief-
greifend restauriert wurde das bemerkenswerte
Grabdenkmal 1860 durch den Bildhauer C.
Dopmeyer.
Zur Wirkung des Raumes trägt das fast lebens-
große Kruzifix aus Holz über dem Hochaltar bei.
Von den vier barocken Grabplatten ist die von
Hermann Wilhelm von Wrisbergholzen (gest.
1717) heraushebenswert, deren Inschriftkar-
tusche von Akanthus eingefasst wird.
Der um 1885 entstandene Neubau der Orgel
durch F. Becker und Sohn (Hannover) wurde
1976 durch M. Haspelmath (Walsrode) restau-
riert.
Neben der ehemaligen Klosterkirche setzt das
Amtshaus aus der 2. Hälfte des 18.Jh. einen
wichtigen baulichen Akzent. Der doppelge-
schossige neunachsige Putzbau auf niedrigem
Sockelgeschoss schließt mit hohem Walmdach
ab. Fassadenakzentuierend sind die aus rotem
Sandstein gearbeiteten Fenstereinfassungen
und die geschwungene einläufige Freitreppe.
Inschriftlich datiert ist die „1743“ errichtete lang
gestreckte Bruchsteinscheune mit Längsdurch-
fahrt, die in Verbindung mit der im 19.Jh. ent-
standenen, parallel verlaufenden Scheune eine
Torsituation bildet. Südlich der Scheune
schließt ein frei stehender Stall/Speicher wohl
der 2. Hälfte des 18.Jh. an. Beachtenswert ist

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