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Kämmerer, Christian [Editor]; Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 7,1): Landkreis Northeim: Südlicher Teil mit den Städten Hardegsen, Moringen, Northeim und Uslar, den Flecken Bodenfelde und Nörten-Hardenberg, der Gemeinde Katlenburg-Lindau und dem Gemeindefreien Gebiet Solling — Braunschweig, 2002

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44420#0330
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Mühlenstraße, Blick nach Osten, links die Wohnhäuser Mühlenstraße 16-2



Lange Straße 12, Wohnhaus, 1576

Zu den bemerkenswerteren Gebäuden der
Langen Straße gehört auch das Haus Lange
Straße 40, das noch 1629 und damit während
des Dreißigjährigen Krieges entstand. Der
dreigeschossige traufständige Fachwerkbau ist
im Erdgeschoss erneuert und besaß seine
Toreinfahrt ursprünglich etwa in der Hausmitte.
Der Bau zeigt - bei im Ganzen schlichter
Gestalt - in seinen drei Geschossvorkragungen
Füllhölzer mit Zahnschnitt-Ornament. Von ähn-
lichem Zuschnitt und Erhaltungszustand ist das
Haus Lange Straße 18, dessen Errichtung nach
der Mitte des 17.Jh. anzusetzen ist. In seinen
drei Vorkragungszonen weist es auf Schwellen
und Füllhölzern einen für Uslarer Verhältnisse
relativ reichen ornamentalen Schmuck auf, der
in flachem Relief die Hölzer flächig überzieht.
Schlichtere Beispiele für die Gestalt des älteren
Uslarer Bürgerhauses, wie es nach den
Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges in
größerer Zahl entstand, blieben, zumeist ver-
einzelt, an der Langen Straße erhalten. Sie alle
sind mehr oder weniger stark durch
Geschäftseinbauten verändert. Ihre Fachwerk-
fassaden zeigen die Abzimmerungsdetails und
einfachen Vorkragungen, wie sie für das durch-
schnittliche Uslarer Bürgerhaus der 2. Hälfte
des 17.Jh. und der Zeit um 1700 charakteris-
tisch sind. Während die Brüstungszonen der
Häuser in der Regel durch Fußbänder belebt
sind, kragen die Geschosse über einfach
gerundeten, gelegentlich auch profilierten oder
mit Kanneluren versehenen Balkenköpfen und
z.T. profilierten Füllhölzern vor. Eine typische
Abfolge solcher dreigeschossiger Bürgerhäuser
dieser Epoche besitzt die Lange Straße in der
- leider durch Geschäftseinbauten teilweise
entstellten - Dreihäusergruppe Lange Straße 7-
11 aus der 2. Hälfte des 17.Jh. Vergleichbare
Gestalt weisen auch die derselben Erbauungs-
zeit angehörenden Häuser Lange Straße 29,
37, 44, 45 und 48 auf. Lange Straße 50 besitzt
zusätzlich in seinen beiden Obergeschossen
dünne Ecksäulchen an den Eckständern. Ein
Bürgerhaus der Zeit um 1700 ist auch Lange
Straße 16, dessen Fachwerkgerüst am West-
giebel und hofseitig noch seine ursprüngliche
Gestalt zeigt, während die Straßenseite im
Sinne des Heimatstils in historisierenden Fach-
werkformen erneuert wurde. Aus der 1. Hälfte
bis Mitte 18.Jh. schließlich wird Lange Straße 6
stammen, ein dreigeschossiger Fachwerkbau
mit profilierten Balkenköpfen und Füllhölzern
und der zeittypischen Abzimmerung mit K-
Streben in den Eckgefachen der beiden Ober-
geschosse.
Mühlen- und Braustraße
Den z.T. großen Grundstücken und statt-
licheren Bürgerhäusern in der Langen Straße
stehen in den Nebenstraßen der Altstadt kleine
Parzellen und eine in der Regel bescheidenere
Bebauung gegenüber. Ein überwiegender Teil
der Häuser ist hier relativ jung und erst nach
dem Stadtbrand entstanden, der 1819 an
Mühlen-, Brau-, Pastorenstraße und Kurzer
Straße rund ein Drittel der Stadt vernichtete. Im
selben Jahr noch beauftragte die hannoversche
Regierung den Kloster- und Universitäts-

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